Die Franzosen haben ihn geliebt, diesen Film, der bis an die Grenzen des Möglichen irreal sei und in dem die Helden mit der Grazie von Tänzern sterben. So schrieb ein junger Kritiker - aus dem später selbst ein Filmemacher werden sollte - und stellte sich damit auf die Seite des Regisseurs, der im eigenen Land damals weniger Zuspruch erhielt. Speziell mit diesem Film, der mit den Versatzstücken eines Genres jonglierte, bis sie beinahe Kopf standen, kam man nur schwer zurecht.

Schon dass eine Frau die Hauptrolle spielte, passte vielen nicht ins Weltbild - noch dazu eine, die sich ganz unweiblich aufführte. Zwar verwandelte sie sich am Ende in ein hübsches, schutzbedürftiges Frauenzimmer im Gedächtnis blieb aber eher ihr Auftreten vom Anfang. Noch andere Momente des Films mochten irritieren: die Darstellung extremer Gefühle wie Liebe und Eifersucht der kritische Blick auf Moral und Norm, der auch auf die aktuelle, für viele bedrückende politische Lage verwies ferner das assoziative Spiel mit kräftigen Farben wie Rot und Schwarz. Eine auffällige Farbdramaturgie prägte übrigens auch den nächsten und berühmtesten Film des Regisseurs. Der Hauptdarsteller, der kurze Zeit später unerwartet starb, wurde mit dieser Rolle gleichwohl unsterblich.

Weniger ruhmreich verlief die Karriere des Darstellers des Titelhelden aus dem Film, nach dem wir fragen: Weil er unter besagtem politischem Druck Aussagen machte, die er später bereute, geriet der Boden unter seinen Füßen buchstäblich ins Wanken, sodass er nur noch selten seinen Beruf ausübte. Auch das Leben des Regisseurs verlief zunehmend unruhig, entwurzelter ähnlich vielen Helden aus seinem filmischen Kosmos, war und blieb er ein einzelgängerischer Rebell gegen erstarrte Strukturen. Wie heißt der Film?

Auflösung aus Nr. 27: Exotica. Der in Kanada lebende Regisseur armenischer Abstammung, Atom Egoyan, drehte seinen bis dato erfolgreichsten Film 1994: eine Geschichte über Trauer und Verlust, deren sämtliche Facetten sich nach und nach (und nie vollständig) in der bizarr-erotischen Atmosphäre eines Nachtclubs enthüllen.

Egoyans aktueller Film, wie immer mit seiner Lebensgefährtin Arsinée Khanjian, ist Felicias Journey