Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen einer kleinbürgerlichen Familie auf, als einziges Kind. Die Eltern kamen aus deutsch-jüdischen Familien. Der Vater hatte eine streng orthodoxe Erziehung erhalten und schickte den Sohn mit sechs Jahren in die deutsche Volksschule, aber im nächsten Jahr in die hebräische Volksschule, wo Hebräisch Unterrichtssprache war. Hauptgrund für den Wechsel war, dass er das teure Schulgeld für die deutsche Schule einsparen wollte. Der Sohn, der bis dahin wie die Mutter am liebsten Deutsch sprach, das er seine Muttersprache nannte, lernte das Hebräische, das er als Vatersprache bezeichnete, nur widerwillig. Später, als Gymnasiast, verschwieg er vor den Mitschülern seine Hebräischkenntnisse wie einen Makel.

Das hängt mit seinem unguten Verhältnis zum Vater zusammen, das von einer Verwandten bezeugt ist, die einige Jahre bei der Familie wohnte: Der Vater übte im Haus strenge Zucht. Er war kein gütiger Mensch, er stellte hohe Ansprüche an seinen Sohn, bestrafte ihn, schlug ihn oft für kindliche Vergehen ... Der Sohn war sehr empfindsam und litt wohl sehr unter der väterlichen Strenge. So sei es zu es verstehen, schreibt sein Monograf, daß er späterhin sowohl das strenggläubige Judentum als auch die zionistische Utopie ablehnte, eben weil es der Vaterglaube, die väterliche Weltanschauung war.

Der Vater war Bautechniker, fand aber nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er Soldat gewesen war, keine Arbeit und schlug sich als Makler und Vertreter durch. Da war es viel, dass er den Sohn aufs Gymnasium schickte und ihm fürs Hebräische einen Privatlehrer engagierte, zumal die Familie in der kleinen Dreizimmerwohnung überaus beengt lebte, da sie noch zwei Kusinen aufgenommen hatten. Der Sohn musste bis zu seinem zwölften Jahr in einem Gitterbett bei den Eltern schlafen. Erst in einer neuen Wohnung bekam er ein Zimmer für sich allein.

Auf dem Gymnasium gefiel es ihm gut dass der Unterricht in Rumänisch erfolgte, störte ihn nicht, weil er es beherrschte. Bald war er Klassenprimus. Mit 14 wurde er Mitglied der jüdischen Religionsgemeinschaft.

Mit 15 wechselte er auf ein anderes Gymnasium, wohl wegen antisemitischer Tendenzen in der Lehrerschaft. An der neuen Schule wurde Englisch, Latein und deutsche Literatur gelehrt, an der er stark interessiert war.

Nachdem er mit 17 das Abitur bestanden hatte, reiste er nach Frankreich, wo er auf Wunsch der Eltern Medizin studieren sollte. Er immatrikulierte sich in Tours. Doch es kam anders. Das Studium, das ihm missfiel, brach er nach dem zweiten Semester ab, um daheim Romanistik und Russisch zu studieren. Doch dann löste Hitler den Zweiten Weltkrieg und seinen Vernichtungszug gegen die Juden aus.

Das traf bald auch seine Heimat und seine Stadt. Da hat die SS zunächst dreitausend Juden ermordet, andere deportiert und zu Zwangsarbeit eingesetzt, so seinen Vater und später auch ihn, und die Mutter kam in ein Lager. Seiner Freundin schrieb er: Nein, ich verzweifle nicht. Aber meine Mutter tut mir leid. Sie war so krank in der letzten Zeit, sie denkt sicherlich fortwährend, wie es mir geht, und so ohne Abschied bin ich weg, wahrscheinlich für immer.