Ich wäre gerne unsichtbar. Zumindest hätte ich gerne ab und zu die Möglichkeit, unsichtbar zu sein. Die Vorstellung fasziniert mich. Irgendwo auftauchen zu können, ohne dass es jemand merkt oder jemanden beeinflusst.

Aber natürlich werde ich jetzt nicht verraten, was ich mit meiner Tarnkappe tatsächlich anstellen würde, das bleibt mein kleines Geheimnis.

Ich wäre auch gerne unsterblich, aber das ist ja kein besonderer Traum, das will ja jeder, oder? Das Altern und vor allem der Tod sind nun wirklich nicht gerade erstrebenswert, das kann niemand behaupten. Menschen, zumal vertraute Menschen, dahinscheiden zu sehen, ist immer etwas sehr, sehr Schmerzhaftes, Trauriges. Ich weiß, es ist unvermeidbar, aber das macht es auch nicht besser. Ich wünschte, man könnte diesem Schicksal entkommen. Ich möchte doch wissen, wie es weitergeht, wie sich die Welt entwickelt, wie meine Kinder immer größer werden und was sie später aus ihrem Leben machen. Es gibt noch so viele Dinge zu sehen und auszuprobieren, aber leider ist irgendwann mal Schluss. Es ist diese Mischung aus Lebenslust und Neugier, die in mir den Wunsch nach Unsterblichkeit weckt.

Meine Träume haben sich immer wieder geändert. Als ich 14 Jahre alt war, wollte ich unbedingt ein professioneller Fahrradfahrer werden, um die Tour de France zu gewinnen. Die Tour de France war das Allergrößte für einen Jungen wie mich aus dem grauen Norden Englands. Die Tour, das war Glamour, Spaß, Farben, Ruhm, eine tolle Sache. Zwei oder drei Jahre bin ich wie ein Besessener Fahrrad gefahren und habe mir vorgestellt, wie ich als strahlender Held dieses großartige Rennen gewinnen würde. Dann sah ich aber schnell ein, dass ich dieses Ziel wohl nie erreichen würde.

Das war auch nicht weiter schlimm, denn ohne Übergang entwickelte sich plötzlich eine Leidenschaft fürs Bergsteigen und Gedichtelesen. Wir kraxelten in schweren Bergschuhen Felsen hoch, um uns dort oben gegenseitig aus Büchern vorzulesen. Wir kamen uns ganz toll vor, wie wir dort saßen, Pfeife im Mund, Buch auf den Knien, sehr romantisch, gerne hätten wir auch die dazu passenden Bärte gehabt, dazu reichte der Wildwuchs leider noch nicht ganz, aber in unseren Augen lebten wir wie die großen Geister zur Jahrhundertwende, Bärte hin oder her. Irgendwann wollten wir auch mal rauf in die Alpen, aber bevor wir das ernsthaft angehen konnten, stand schon ein anderes Ziel auf dem Programm: New York.

Ich wollte nach New York und leben wie ein Maler, wie Jackson Pollock. Das stellte ich mir wunderbar vor, wieder wurde ich von sehr romantischen Vorstellungen getrieben. Ein Atelier, Farbe überall, wohnen wie ein echter Bohemien, ein Loft, Freunde aus Künstlerkreisen, die ein aufregendes Leben lebten. Na ja, davon war ich ja dann später nicht sehr weit entfernt. Dieses Kunstinteresse ist immer geblieben. Bei Roxy Music war ich ja auch immer so etwas wie der Artdirector der Gruppe, und selbst heute sammle ich leidenschaftlich gerne Werke einer bestimmten Gruppe britischer Künstler aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts, keine bekannten Namen, aber doch außerordentlich begabte Talente, deren Arbeit mir gefallen.

Aus diesem Interesse für die Kunst dieser Zeit und meiner Liebe zur Musik der dreißiger Jahre darf man keine falschen Schlüsse ziehen. Damals war eine fantastische Zeit, aber ich lebe sehr gerne heute. Ich kann für ein Wochenende nach Irland oder New York fliegen, mich über alles informieren, das sind Dinge, die ich sehr genieße. Bei den Computern bin ich mir nicht so sicher. Natürlich sind sie sehr nützlich, und ich setze sie auch in meiner Musik ein, aber so ganz persönlich bin ich nicht gerade verrückt nach ihnen.