DIE ZEIT: Sie planen, wie wir bereits berichteten, im Rahmen einer Stiftung einen Verbund europäischer Universitäten. Die künftigen Euro-Studenten sollen mindestens in zwei Ländern studieren können - mit eurokompatiblen Abschlüssen. Aber heute kann doch schon jeder im Ausland studieren ...

KONRAD SCHILY: ... damit hilft er aber den Universitäten nicht. Das deutsche Universitätswesen kommt nur voran, wenn es europäisch wird. Und das gilt auch für die anderen Länder in Europa. Das ist ja gerade der Pfiff an der Sache: die Universitäten aus ihrer nationalstaatlichen Verklammerung zu befreien. Europa muss ein eigener Kulturraum werden, nicht nur ein Territorium gemeinsamer Währung und gemeinsamer Soldatenstiefel.

SCHILY: Die Rechtsform der Hochschulen ist gleichgültig, Hauptsache, sie können frei agieren. Dazu brauchen sie Hoheitsrechte, sie müssen ihre Studenten selbst auswählen können, ihr Geld selbst verwalten dürfen, Gebühren erheben und die Freiheit haben, Verträge in alle Richtungen abzuschließen.

ZEIT: Nicht nur hier, in vielen Ländern kämpfen Hochschulen um mehr Selbstständigkeit. Wäre es nicht einfacher, wenn jedes Land erst mal seine eigenen Probleme löste?

SCHILY: Natürlich könnte man auch erst mal nur eine Uni reformieren. Aber das sind die kleinen Lösungen; es reicht nicht, wenn alle Länder isoliert vor sich hin wursteln.

ZEIT: In dem Universitätsverbund sollen sich vier bis fünf große Hochschulen zusammentun. Organisation, Koordination und Qualitätskontrolle sollen an einer Stelle in Luxemburg angesiedelt werden, dem einzigen Land in Europa, das keine eigene Universität hat. Warum ausgerechnet hier?

SCHILY: Eine solche Stelle agiert am besten von neutralem Terrain aus. Außerdem ist Luxemburgs Premierminister Juncker dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen.