Nichts ist mehr einfach im Zeitalter des Internet. Bisher war es zum Beispiel verhältnismäßig leicht, Ulrich Wickert nicht zu begegnen, vorausgesetzt, man hielt sich an ein paar Regeln: ab halb elf nicht mehr fernsehen, die Ramschtische in der Buchabteilung der Warenhäuser meiden, nicht Die Bunte lesen und in Berlin oder Hamburg auf keine Party gehen. Aber heutzutage reicht ein unbedachter Klick, und schon ist es passiert - ein Foto nebst langem Interview von und mit Ulrich Wickert ausgerechnet dort, wo sich ein vorsichtiger Surfer eigentlich sicher fühlen sollte: auf der neuen Homepage von Forum Bildung nämlich. Das Forum ist eine Initiative des Bundesbildungsministeriums, die versucht, die Bildungsmisere vor allem verbal zu bewältigen - mit Papieren, Gesprächskreisen, Kongressen (wie jetzt in Berlin zum Beispiel, wo auch Bundespräsident Johannes Rau das Wort ergreifen wird) oder - ganz trendy - online.

Und eigentlich war es ja vorherzusehen. Wer so viel von Tugend und Käse versteht, wird auch zum Thema Bildung nicht schweigen. Gleichfalls vorhersehbar die Botschaft selbst, nämlich, dass "Tugend und Werte in der Bildung eine Rolle spielen", dass "eine Tugend funktioniert, indem ich die Einsicht habe, dass ich die Umwelt schützen muss", "dass man auch ein paar klassische Dinge wieder lernen muss - Gedichte".

Die Bildungsdebatte, an die noch vor Jahren so viele Hoffnungen geknüpft waren, ist offenkundig auf ihrem intellektuellen Tiefpunkt angelangt. Frei nach dem viel zitierten unsterblichen Valentin: Es ist schon alles gesagt; durch Wickert nunmehr auch von jedem. Künftig kein Wort mehr zum Thema.

Und was jetzt? Eine der neuen alten Einsichten von "Mr. Tagesthemen" immerhin hat einiges für sich: "Raus, weg - anders denken lernen!" Gerne, Herr Wickert, aber bitte nach Ihnen.