Wie ich sehe, lässt sich also das Leben in vier Buchstaben lesen, die seinerzeit der liebe Gott oder die liebe Natur (deus sive natura, wie Spinoza sagt) mit Eselsgeduld so oft in wechselnder Reihenfolge hintereinander weggeschrieben hat, bis alles fertig war.

Wie man früher von europamüden Leuten sprach, die etwa nach Amerika gingen, so hört es sich jetzt wie menschheitsmüde an, wenn Leute deum sive naturam dafür bewundern, mit bloß vier Buchstaben ausgekommen zu sein. Ich wenigstens kann darin so wenig Genie erkennen wie in einem Pferd, das bis vier zählen kann (so viel das für ein Pferd sein mag). Ich muss sagen, dass ich vom lieben Gott mehr erwartet hätte. Rechner können bekanntlich nur ja oder nein sagen; sie können damit alle Zahlen machen, aber sie müssen sehr schnell sein, wenn sie mich einholen wollen, indem ich etwa sieben sage. Sieben, finde ich, ist ein großartiger Fortschritt gegen mehrmals ja oder nein. Und nun sechsundzwanzig Buchstaben gegen vier: Der Mensch ist groß.

Dass aus diesem entsetzlichen Bisschen sich später so etwas wie der Mensch gebildet hat, der schreibende, lesende Mensch, ist nicht zu glauben. Wer sich davon beeindrucken lässt, der muss irgendwann (um wenig zu sagen) die Lust an wirklichen Lektüren verloren haben, diesen wahrhaft bewundernswerten Komplexitäten aus sechsundzwanzig Buchstaben.

Wenn deus sive natura aus vier Buchstaben, selbst wenn das Lesen dann tausend Jahre dauert (im Grunde kommt das ja aber noch dazu), das Leben machen konnte, nichts (auch das kommt noch dazu) als das Leben (und nun lassen Sie uns das einmal andersherum ansehn): Was müssen das dann für Wunderwerke sein, die wir aus sechsundzwanzig Buchstaben machen? Und Minuten reichen hin, sie zu lesen. Uns jedenfalls.