Hinter zwei Sicherheitsschleusen im kubanischen Instituto Finlay steht ein Kessel mit tödlichem Inhalt. Die Mitarbeiter nähern sich ihm nur mit Schutzbekleidung, die an Astronautenanzüge erinnert. In 500 Liter Nährflüssigkeit schwimmen Millionen Meningokokken-Bakterien, die zur Herstellung des weltweit einzig wirksamen Impfstoffs gegen diese Hirnhautentzündung benötigt werden. Vor einem Jahr hat der britische Pharmakonzern SmithKline Beecham eine Kooperation mit dem renommierten Institut ausgehandelt und will jetzt das kubanische Präparat international vermarkten.

Durch seine innovative Forschung ist das kleine Land zu einem begehrten Kooperationspartner geworden. Die Fachzeitschrift Nature attestierte dem Inselstaat im vergangenen Jahr eine Spitzenposition unter den Entwicklungsländern auf dem Gebiet der Biotechnologie. Und der Meningokokken-Impfstoff hat es sogar zu internationalem Ruhm gebracht.

Eine Gruppe aus 15 Forschern erhielt die Mission, so schnell wie möglich einen Impfstoff zu finden. "Wir bekamen alles, was für unsere Arbeit erforderlich war und durften ins Ausland reisen", berichtet Franklin Sotolongo Padrón, Arzt und Mikrobiologe, der einige Monate am Institut Pasteur in Paris verbrachte und heute wissenschaftlicher Direktor des Finlay-Instituts ist. Die Kubaner wählten ein Eiweiß in der Hülle des Bakteriums für die Entwicklung des Impfstoffs und meldeten bereits ein Jahr später erste Erfolge im Tierversuch. Eine Doppelblindstudie an 106 000 Schülern zeigte dann eine Wirksamkeit von 83 Prozent.

Die Forscher des Finlay-Instituts arbeiten bereits an mehreren neuen Projekten. Eine Impfung gegen Salmonelleninfektion und Leptospirose steht kurz vor der Anwendung. Auch suchen sie nach einem Schutz vor Cholera. "Damit wollen die großen Konzerne keine Zeit verlieren, weil dieser Impfstoff nur in armen Ländern benötigt wird, die nicht bezahlen können", meint Franklin Sotolongo Padrón. Es gibt zwar einen Impfstoff - doch der schützt nur kurz, gerade mal für die Zeit einer Urlaubsreise.

Wenn aber ein wirksamer Impfstoff gefunden ist, wendet sich das Blatt. Als 1989 in Brasilien eine Meningokokken-B-Epidemie wütete, exportierten die Kubaner ihren Impfstoff, der durch seine Effektivität bald berühmt wurde. Deshalb machten die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr auch eine Ausnahme bei ihren rigiden Embargobestimmungen und erlaubten dem Konzern SmithKline Beecham die Vermarktung des Impfstoffs. "Wir führen jetzt umfangreiche klinische Studien durch, um die Sicherheit zu überprüfen und den Impfstoff vielleicht noch zu verändern", sagt Firmensprecherin Anne Walsh.

Bis die Tests abgeschlossen sind und die erhofften Dollars nach Havanna fließen, müssen die Kubaner noch eine Weile warten. Doch schon jetzt wurde eine ganz besondere Form der Bezahlung ausgehandelt: Die Vergütung erfolgt zu 50 Prozent in Nahrungsmitteln und Medikamenten.