Vermutlich hat nichts die Wahrnehmung zeitgenössischer Kunst so nachdrücklich verändert wie ihre offensive Vermarktung, die 1967 mit der Kölner Kunstmesse begann: Sie war als erste ausschließlich der aktuellen Kunst gewidmet und zog internationale Folgegründungen nach sich. Ein neugieriges Publikum und die Medien begleiteten die Marktentwicklung und haben das Klima der Feindseligkeit aufgelöst, das zuvor auf der Gegenwartskunst lastete.

Das kann man den Gründern des Kölner Kunstmarktes als Verdienst auslegen, und so ist es legitim, dass einer von ihnen, Rudolf Zwirner, nunmehr an der Kunsthochschule in Braunschweig den bürgerlichen Adelstitel erhalten hat und zum Honorarprofessor ernannt wurde. Zwirner gehört auch zu den Initiatoren des Archivs des deutschen Kunsthandels; schon lange ist er ein ebenso kompetenter wie anregender Gesprächspartner für Doktoranden und andere Spezialisten der jüngsten Kunstgeschichte. Zu den Vermittlern, die in seiner Kölner Galerie in die Lehre gegangen sind, zählen Benjamin Buchloh, heute ein international angesehener Kunsttheoretiker, sowie Kasper König, der nun Direktor des Kölner Museums Ludwig werden soll.

Daneben haben sich reine Sammlermuseen unterschiedlicher Rechtsform etabliert, die Embleme kulturpolitischer Standortkonkurrenz sind, aber auch der Prestigekonkurrenz ihrer Besitzer, die sich nicht mehr mit Einzelbildern aufhalten, sondern mit "Werkblöcken" überbieten. Ihre Konkurrenz ließ die Preise so kräftig ansteigen, dass öffentliche Ankaufsetats, sofern überhaupt noch vorhanden, ihre Bedeutung verloren haben und die Museen in eine große Abhängigkeit von ihren Leihgebern geraten sind.

Daraus könnte man auf eine Privatisierung der Kunstvermittlung in öffentlichen Häusern schließen, aber privat sind manche solcher Sammlungen schon hinsichtlich der Entscheidungsfindung nicht: Angestellte oder honorierte Berater werden in einem solchen Maße einbezogen, dass die Privatheit sich eher auf die Herkunft des Geldes bezieht. Auch die Konsumperspektive ist nicht immer eine private, weil ungleich mehr gekauft wird, als zu Hause überhaupt gehängt werden kann. Spöttern erscheint daher mancher Leihgabenblock als bequeme Delegierung von Wahrnehmung, wozu noch die staatliche, kostenlose kuratorische Betreuung kommt.

Nun mag es eine anachronistische Vorstellung sein, dass ein Sammler Kunstwerke kauft, um sie ständig um sich zu haben; überholt ist aber auch die Erwartung einer langfristigen Gütergemeinschaft. Kunstwerke sind inzwischen Logiergäste, die man unsentimental wieder hinauskomplimentiert, wenn frischer Ersatz mit höherem Unterhaltungswert gefunden wurde. Das in allen Medien eskalierende Tempo des Bilderwechsels hat auch die traditionell eher trägen Wohnzimmerbilder erreicht. Wohin die Werke dann entsorgt werden, in ein Museum oder zurück auf den Markt, ist keine Geschmacksfrage mehr. An dem Gerücht, dass Hans Grothe seine Kollektion nach jahrelangem Standortgeplänkel nun für hundert Millionen Mark an eine Holding verkaufen möchte, war daher weniger interessant, ob es stimmt, als vielmehr, dass es niemanden mehr wundern würde.

Rollenvielfalt oder die Auflösung der Berufsbilder

Die Marktentwicklung hat auch die Berufswelt der Vermittler verändert: Zwischen Ateliers, Galerien, Kunsthallen, Museen, Firmenkollektionen und Privatsammlungen hat sich eine neue Berufsrolle herausgebildet, der Kurator. Der Begriff, der bislang an Stiftungstreuhänder und Vermögensverwalter denken ließ, bezeichnet neuerdings, mit amerikanischem Zungenschlag, ein völlig offenes und variantenreiches Berufsfeld der Kunstvermittlung.