In der alten Bundesrepublik war der Verlag Klaus Wagenbach ein Skandal und eine Institution. Er verlegte Wolf Biermann und Rudi Dutschke, Ulrike Meinhof und Pier Paolo Pasolini, Stephan Hermlin und Erich Fried. Noch heute zählt er zu den wichtigsten Literaturverlagen, sein Engagement fürs Italienische ist berühmt, und er war der Erste, der Michel Houellebecq herausbrachte. Klaus Wagenbach, Kafka-Forscher im Nebenberuf, wird am 11. Juli 70 Jahre alt.

DIE ZEIT: Was war Ihr erstes Leseerlebnis?

ZEIT: ... der mit einer Lehre beim Suhrkamp Verlag vormals S. Fischer anfing; und gleichzeitig haben Sie studiert.

WAGENBACH: Ich wollte das gar nicht. Aber erst mit 21 war man volljährig. Ich war 19; also musste mein Vater den Lehrvertrag unterschreiben. Und er hat das nur getan unter der Bedingung, dass ich auch studierte.

ZEIT: Wie er selbst?

WAGENBACH: Er war ein klassischer Aufsteiger; ein Bauernsohn, der unter großen Schwierigkeiten studiert hatte, Nationalökonomie. Er wollte immer, dass aus seinem Sohn was wird, und da ich mit meinem Vater ein ganz gutes Verhältnis hatte, habe ich das Studium hinter mich gebracht, in Windeseile.

ZEIT: 1957 war das wissenschaftliche Kapitel inklusive Promotion abgeschlossen.