Gute Mitarbeiter sind leistungsbereit, teamfähig, fachkundig. Die Leute von DooYoo haben spirit , commitment , motivation . Das unterscheidet sie von anderen; die Stimmung in der Firma auch. Negatives Denken mag man hier nicht, positive vibrations schwingen durch die zwei Fabriketagen im Berliner Bezirk Friedrichshain, in denen 100 junge Leuten arbeiten, nein, leben und dabei arbeiten, alles für DooYoo geben: Wissen, Ideen, Gefühle, Zeit. Von Letzterer so reichlich, dass sie mit dem Rest kaum mehr anfangen können, als zu Hause die Waschmaschine anzustellen, die Katze zu füttern und ins Bett zu fallen. Sie leben so, weil sie so leben wollen. Sie sind kaum zu bremsen, sie sind glücklich.

"Ich fahre am Morgen richtig gern zur Arbeit." Das sagt nicht nur Ingo Bertzen, der 30-jährige Personalchef, das sagen alle bei DooYoo. Auf der Welle der Internet-Firmen schwimmen sie oben, das gibt ihnen ein Hochgefühl. Derart von aller Mühsal und Entfremdung befreit, sollte, wäre es nach Karl Marx gegangen, die Arbeit erst im Kommunismus sein. Stattdessen wird nun im Turbokapitalismus die Arbeit zum ersten Lebensbedürfnis. Oder ist es doch nur die "innere Landnahme", die Rosa Luxemburg kritisierte, durch die der Mensch mit Haut und Haaren zu jeder Zeit ökonomisiert wird?

Als Deniz Ünal dazustieß, hatte DooYoo gerade seine Web-Seite ins Internet gestellt. Im Oktober letzten Jahres von sechs Freunden gegründet, beschäftigt die E-Commerce-Firma heute neben den 100 Mitarbeitern in Berlin 60 weitere in Rom, Madrid, Paris und London. Auf den Internet-Seiten von DooYoo bewerten Konsumenten Produkte und Serviceleistungen, können Firmen Werbung schalten und über Links in ihre Online-Shops locken. Das Ziel des 31-jährigen Vorstandsvorsitzenden Felix Frohn-Bernau: DooYoo soll eines der drei größten New-Economy-Unternehmen Europas werden.

Ganz nach vorn will auch Deniz Ünal mit DooYoo kommen. Er ist verantwortlich für den Bereich der Elektronikprodukte, der soll wachsen, das ist sein Ehrgeiz. Wachsen heißt: mehr User, mehr Kooperationspartner, mehr Produkte, mehr Meinungen zu den Produkten, bessere Bannerwerbung. Dabei beengt ihn keine Stempeluhr, kein unwirscher Chef schreibt ihm vor, was er zu tun und zu lassen hat. So viel Freiheit macht ihn "superglücklich". Deshalb spielt für Deniz Ünal die Arbeitszeit keine Rolle. Das Einheitsgehalt von 5000 Mark brutto findet er in Ordnung, nur die sechs Gründer verdienen seit kurzem mehr. Dass alle Mitarbeiter Aktienoptionen bekommen haben, gefällt Ünal. Er hofft, dass sie kein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft bleiben, sondern irgendwann als Aktien etwas wert sind. Wichtiger aber ist ihm: Die Arbeit soll Spaß machen und nicht spießig sein.

Regeln sind spießig - das Arbeitszeitgesetz zum Beispiel oder die europäische Bildschirmrichtlinie. Kernarbeitszeit ist bei DooYoo von 9.30 bis 20.30 Uhr, dann muss jeder da sein. Manche kommen früher, viele bleiben länger, am Wochenende machen sie nach Bedarf einen oder eineinhalb Tage frei.

Nicht spießig ist die Arbeitsumgebung. Die zwei Fabriketagen in dem restaurierten Gründerzeit-Hinterhof ähneln einem Großraumbüro, aber es fehlt der Komfort, auch das Minimum an Privatheit, das ein halbhoher Paravent oder ein quer gestelltes Regal gewähren. Die sechs Gründer/Vorstandsmitglieder sitzen zwischen allen anderen. Die optische Umsetzung eines Managementkonzepts: flache Hierarchien.

DooYoo versteht sich nicht als Betrieb, DooYoo ist eine Community, hier arbeiten Freundinnen und Freunde, nicht etwa Kolleginnen und Kollegen, die gehören in die Welt der Old Economy. Unter Freunden bleiben Gewerkschaften oder Betriebsräte Fremdkörper. Freunde brauchen keine Vertreter, sie reden direkt miteinander. Was alle angeht, wird auf den wöchentlichen All-Hands-Meetings besprochen. Das funktioniert bislang, keiner kann sich an ernsthafte Probleme erinnern. Schon das Wort "Probleme" stört den Personalchef: "Ich würde von Chancen sprechen."