Hat jemand eine Zigarette?", ruft Pedro nach achtern, und alle gucken erstaunt. Wir stehen nun schon ein paar Minuten lang an unseren Manöverstationen, bereit, das 60 Quadratmeter große Vorsegel zu setzen, sobald Pedro am Bug fertig ist. Und erst noch einen Glimmstengel? Doch Pedro ist Profi, er arbeitet seit sieben Jahren hauptberuflich auf Maxi-Racern, den größten Regattayachten der Welt. Dabei hat er sich beeindruckende Muskeln, eine Sammlung cooler Sonnenbrillen sowie die Angewohnheit zugelegt, während des Segelns keine leichtfertigen Scherze zu treiben. Also bringt ihm jemand die Zigarette nach vorn. Pedro, der eigentlich Nichtraucher ist, pafft ein paar Züge und hält die Glut an die Spitze des Segels, bis der Kunststoff schmilzt. Den knetet er zwischen Daumen und Zeigefinger in eine schlankere Form, wobei nur die in harter Bootsarbeit erworbenen Schwielen verhindern, dass er sich fürchterlich die Hand verbrennt.

Endlich passt die Vorderkante des Segels in die Nut, durch die es zum Masttop hochgezogen werden muss. Pedro gibt mit erhobenem Daumen das Signal an Michael, den Skipper und Eigner der Merit Cup . Der knurrt: "Okay!", dann zerren und kurbeln alle, bis sich das Vorsegel mit Wind füllt. Und unter Mallorcas heißer Sonne legt sich die majestätische Yacht sanft auf die Seite und beschleunigt fast wie ein Pfeil, der von der Bogensehne abschnellt. "Zehn Knoten", liest Michael vom Speedometer ab, "nicht schlecht." Zehn Knoten entsprechen einer Geschwindigkeit von 18,5 Stundenkilometern. So ein Tempo haben die meisten Freizeitkapitäne auf ihren Familienyachten noch nicht erlebt. Andererseits sind beispielsweise für einen Radfahrer zehn Knoten nicht besonders flott und auch nicht für die Merit Cup.

Auch wir hätten an Bord schlafen sollen, doch als wir am Hafen von Palma de Mallorca eintreffen, präsentiert sich die Merit Cup noch als schwimmende Baustelle. Michael Malm ist nun mal mehr Enthusiast als Geschäftsmann. Nachdem er die Yacht vor anderthalb Jahren gekauft hatte, entkernte er sie fast vollständig. Michael verlegte die Küche vor, den Motor zurück und die Klos zu den Seiten. "Das Einrichtungskonzept von der Merit ist schließlich schon zwölf Jahre alt, und ich will, dass sie das Niveau der modernsten Maxis hat", erklärt er.

Dafür scheut der 45-Jährige keinen Aufwand. Bei unserer Ankunft verlegt er gerade neue Fußbodenbretter. Die alten waren aus Sperrholz und um das Gewicht einer Reisetasche schwerer als Platten aus High-Tech-Schaum. Nicht dass irgendeiner seiner Kunden den Unterschied merken würde. "Aber ich denke, dass die Leute den kompetitiven Geist an Bord spüren", sagt er.

Man wird sehen. Ende Juli kommen die ersten regulären Gäste, 15 Feuerwehrmänner aus Michaels schwedischer Heimat. Wir sind vorab schon mal bei der Probefahrt nach dem Komplettumbau dabei. Unverändert ist nur der Navigationsplatz geblieben, eine wundersame Konstruktion aus Klapptisch und dem Fahrersitz eines Ferrari F-40, die drehbar aufgehängt im Takt des Seegangs durch den Raum schwingt. Für Michael ein besonderer Platz: "Hier hat Pierre Fehlmann während des Whitbread Race die Taktik ausgearbeitet."

Der Schweizer Pierre Fehlmann ist ein berühmter Regattaskipper und berüchtigter Extremsegler, so etwas wie die Mischung aus Reinhold Messner und Käpt'n Ahab. "Wenn Pierre redet, verstummen alle im Raum", beschreibt Michael die Ausstrahlung des Mannes, von dem er seinen Maxi-Racer kaufte. Fünf Whitbreads hat Fehlmann gesegelt und zwei gewonnen. Auch bei seinem vierten Rennen 1989/90, in dem er mit der Merit Cup antrat, galt er als Favorit. Michael, der zwar am Wasser groß wurde und seit Jahren auf Mallorca Boote verchartert, aber selbst nur lokale Regatten mitfuhr, besitzt ein Video über Merits großen Auftritt. Es zeigt den Start in Südengland und die Euphorie der zwölfköpfigen Crew während der ersten Tage, als der Maxi vorn lag. Aber dann, in der Biskaya, zog die Steinlager vorbei - in ganz dichtem Abstand, um den Gegner zu demoralisieren.

Der neuseeländische Maxi-Racer ist schwerer, doch zusätzliche Segelfläche an einem zweiten Mast bringt den entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil. Die Merit Cup erhält deshalb auch einen Besanmast, allerdings erst nach dem Whitbread. Vorerst müssen Fehlmann und seine Crew den Nachteil durch noch größeren Einsatz und riskanteres Segeln wettzumachen suchen. Was bekanntlich nicht geklappt hat. "Wir haben niemals aufgegeben, uns niemals in die Niederlage gefügt - das ist unser Sieg", wird der Meisterskipper nach dem Zieldurchgang verkünden.