Wenn man vor einem Blasorchester in eine Zitrone beißt, können die Musiker nicht mehr weiterspielen. Stimmt's?

Kurt Goth, Dresden

Seit über zwei Jahren steht diese schon mehrfach von Lesern gestellte Frage auf meiner Liste. Jetzt habe ich endlich das entsprechende Experiment durchgeführt.

Ort des Versuchs: Hamburg. Datum: 6. Juli 2000. Versuchsobjekte: Musiker des Orchesters Tuten und Blasen (9 Bläser, 2 Perkussionisten), die vorher nicht über den Zweck des Experiments unterrichtet waren. Die Instruktion: Spielen Sie ein Stück, und sehen Sie den Versuchsleiter dabei an!

Während die Band einen schmissigen Samba-Song spielte, holte ich zunächst ein Messer aus der Tasche (leichte Irritation auf einigen Gesichtern), dann eine Zitrone (ungespritzt), schnitt die Zitrone in zwei Teile und biss genüsslich erst in die eine, dann in die andere Hälfte. Das Ganze durchaus theatralisch begleitet von Grimassen und Schlürfgeräuschen. Das Ergebnis: Die Bläser spielten völlig unbeeindruckt ihr Stück zu Ende. Danach berichtete kein einziger der Musiker von verstärktem Speichelfluss - unabhängig davon, ob er vorher die Legende gekannt hatte oder nicht. Einzige Ausnahme: Die Schlagzeugerin sagte, ihr sei das Wasser im Mund zusammengelaufen. Aber um die ging es ja eigentlich gar nicht.

Übrigens: In eine Zitrone zu beißen ist weniger schlimm, als man denkt.