Trotz E-Commerce-Rausch - wer heute bei Deutschlands Reiseveranstaltern im Internet eine Reise aus dem Normalprogramm buchen will, hat es schwer. Viele Anbieter verstecken ihre Produkte, immer wieder funktionieren Anwendungen nicht, oft liest man vor dem letzten Klick: "Die von Ihnen gewählte Reiseagentur wird sich schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung setzen und die Buchbarkeit bestätigen oder ein Alternativangebot unterbreiten" (www.neckermann-reisen.de). Tourismus interruptus. Bis auf den Last-Minute-Bereich gibt es nur in Ausnahmefällen eine echte Online-Buchung.

Die Zögerlichkeit der Reiseveranstalter hat zwei Gründe: Viele Anbieter wollen ihren Vertriebspartner Reisebüro nicht verprellen und treten darum im Internet auf die Bremse. Einigen Reisemanagern fehlt der Glaube an die Zukunft des E-Commerce im Reisegeschäft. Ein beratungsintensives Produkt wie der Urlaub lässt sich nicht übers Internet verkaufen, sagen die Zweifler.

Mit der weißblauen Website der TUI kann Konkurrent C&N aus Oberursel nicht mithalten. Der junge Reisekonzern, entstanden aus Neckermann und Condor, sprang erst in diesem Jahr auf den Online-Zug. Was man im Netz unter www.cundn-touristic.de sieht, ist noch nicht der Online-Weisheit letzter Schluss: Wer Condor-Flüge sucht, muss seine Anfrage zweimal losschicken, die Pauschalreisensuche streikt oft. Und bei den C&N-Marken Neckermann und Terramar etwa kann man nicht online buchen. Ob die Reise noch frei ist und der Urlaub stattfinden kann, erfährt der Internet-Kunde erst, wenn sich der Anbieter bei ihm meldet. An einer "weiteren Verbesserung der Benutzerführung und an vereinfachten Buchungsfunktionen" wird aber gearbeitet, heißt es aus dem Unternehmen.

Nicht viel besser sieht das Bild bei den Mitbewerbern aus: FTI Touristik aus München hat nur ein paar Angebote im Netz. Bestellt werden kann unter www.fti.de aber keine einzige Reise - nur Kataloge.

Das gleiche Bild beim Frankfurter Bausteinveranstalter Dertour. Unter www.dertour.de stehen lediglich Kataloginhalte - auszugsweise. Immerhin: Dertour will noch im Sommer mit der Online-Buchbarkeit von Mietwagen loslegen und die Palette langsam ausbauen.

Der Kölner Reiseveranstalter ITS beschränkt sich im Netz auf Last-Minute-Angebote. Ein Konzept für den Online-Verkauf des gesamten Katalogprogramms liegt immerhin gerade beim Vorstand. In diesem Jahr wird man es aber nicht mehr realisieren.

Wenig Innovationsfreude auch bei der LTU-Gruppe: Bei Smile & Fly kann man ein paar Kurzfristreisen abfragen und muss dann auf einen Rückruf warten. Jahn-Reisen zeigt gar keine konkreten Angebote.