Mit diesem Poster von seltener Qualität warb der DFB vor 16 Jahren für Frauenfußball. Zwar waren Motiv und Gestaltung noch sehr spießig und weckten den Eindruck, die Welt von Pippi Langstrumpf hätte hier Pate gestanden. Aber immerhin war der jahrzehntelange Widerstand der verknöcherten Funktionärselite endgültig gebrochen: Obwohl sich die Damen schon seit etwa der Jahrhundertwende auf dem grünen Rasen austobten, erfolgte hierzulande erst 1970 die Aufhebung des Verdikts, das den DFB angehörigen Vereinen generell Frauen auf dem Feld untersagte.

Zu den größten Verdiensten der Oberhausener Ausstellung zählt, Frauenfußball nicht zu ignorieren und seine Frühgeschichte nachvollziehbar zu machen - mit teilweise verblüffenden Exponaten, die bis zur englischen Urmutter Nettie Honeyball (sie hieß wirklich so) zurückreichen. Die Geschichte des Frauenfußballs ist geprägt von Verboten, Nichtbeachtung und widerwilliger Duldung. Mit den verschrobensten Argumenten der Gesundheitsfürsorge (Gefahr für optimale Gebärfähigkeit!) versuchte die Männergesellschaft, ihr Monopol zu verteidigen. Auch die Anwendbarkeit der Regeln schien lächerlich problematisch: Ist bei Frauen mit unterschiedlich großer Oberweite Abseits gegeben oder nicht?

Heute, nach drei EM-Titeln und einer Vizeweltmeisterschaft, lässt sich konstatieren, dass der deutsche Frauenfußball ohne jede Einschränkung toll ist. Und nur nebenbei sei angemerkt, dass die deutschen Männer (die man gar nicht mehr so nennen mag) seit Jahren Weltmeister wären, hätte ihre Leistung in den vergangenen 20 Jahren nur ansatzweise mit der unserer nationalen Frauenauswahl Schritt gehalten.

Die Girls der Bundestrainerin Tina Theune-Meyer sind amtierender Europameister, gewinnen ihre Länderspiele oft haushoch und stellen sich auch außerhalb des Spielfelds wesentlich angenehmer dar als die Brigade, mit der sich jetzt Rudi Völler herumärgern darf. Außerdem ist es tröstlich, dass es neben Gestalten vom Schlage Ziege oder Jancker eben auch so entzückende Erscheinungen gibt wie Sandra Smisek vom FCR Duisburg, die den Nostalgiker manchmal an die kleine Schwester Georg Bests erinnert. Ja, man könnte ins Schwärmen kommen ...

Dennoch scheint Frauenfußball kaum jemand zu interessieren. Man meint, der Einzige zu sein, der einem jener Länderspiele entgegenfiebert, die prinzipiell wochentags um die Mittagessenszeit auf einem Dorfsportplatz angepfiffen werden. Die Gründe hierfür sind oft genannt worden: kaum nennenswertes Medieninteresse (in den gängigen Sendungen erfährt man nicht einmal die Resultate der Bundesliga) und niedrige Zuschauerzahlen. Der DFB pflegt seine althergebrachten Vorurteile und hält den weiblichen Teil an der kurzen Leine.

Trotzdem: Wer mal wieder Deutsche mit dem Adler auf der Brust erleben will, die auf dem Platz nicht nur Dienst nach Vorschrift schieben, sondern auch richtig spielen können und sichtbar Spaß haben, der sollte sich das 100-Jahre-DFB-Turnier mit den Frauennationalmannschaften in Osnabrück, Göttingen, Zelle und Braunschweig (13. bis 23. Juli) vormerken.

Das Werbeplakat des DFB für Frauenfußball von 1984 hängt bis 15. Oktober 2000 in der Fußballausstellung in Oberhausen. Abbildung aus dem Katalog Der Ball ist rund, Klartext Verlag, Essen, 34 Mark