Amman Alles eine Frage der Perspektive. Die amerikanischen Medien zum Beispiel lieben König Abdallah II. und seine charmante Frau Rania. "Königin der Herzen", titelte Newsweek im vorigen Monat und beschrieb "Jordaniens Rania" als "glamourös, klug, streitbar", präsentierte sie auf dem Titelbild gar als Modell "der neuen arabischen Frau". Und Abdallah II. erzählt Larry King live auf CNN: "Ich weiß, wie ich meinen Job zu tun habe."

Wer wollte daran zweifeln? Ist doch der König ein "Massachusetts Yankee" (New York Times Magazine). Nach ersten Schuljahren in Großbritannien lebte Abdallah II. in Neuengland, im Alter von 14 bis 22. Er besuchte verschiedene Schulen, zuletzt die Deerfield Academy: "Die besten drei Jahre meines Lebens." Abdallahs Mutter ist Engländerin, Englisch seine eigentliche Muttersprache. Arabisch spricht er schlecht, er lernt es intensiv erst, seit er im Februar 1999 König wurde. An der Deerfield Academy flüchtete er noch in den Kleiderschrank, sobald sein Arabischlehrer auftauchte.

Das ist einerseits verständlich, wie jeder bestätigen wird, der selber einmal Arabisch gelernt hat. "Andererseits ist Abdallah der König von Jordanien und nicht der König von Iowa. Der arabische Raum ist Teil der mediterranen Kultur das Wort, die Rede, die Geste ist allentscheidend. Abdallah kann auf Arabisch keine Ansprachen halten. Was im Parlament verhandelt wird, versteht er nur teilweise. Das ist doch absurd. Und was ist von einem König zu halten, der seinen Landsleuten mitteilt: Die beste Zeit meines Lebens hatte ich ohne euch?"

So offen über den König und die realen Verhältnisse im Land redet dieser Gesprächspartner nur unter der Bedingung, dass sein Name nicht genannt wird - wie die meisten Jordanier. Die (Presse-)Gesetze sind streng: Jede Kritik am König, der als absolutistischer Monarch über Parlament und Verfassung steht, am Königshaus, den Ministern, den Sicherheitskräften oder der nationalen Ordnung kann juristisch belangt werden. Nach einer Umfrage der Universität Amman befürchten 72 Prozent der Bevölkerung, dass sie ihre Arbeit verlieren, wenn sie sagen, was sie denken.

Gewiss, am Arabischen wird Abdallah II. nicht scheitern, und seine Lernfähigkeit hat er bewiesen. Erst kurz vor seinem Krebstod am 7. Februar 1999 hat König Hussein seinen ältesten Sohn zum Nachfolger bestimmt, was diesen ebenso überraschte wie die jordanische Bevölkerung. Denn als Thronerbe galt 33 Jahre lang Kronprinz Hassan, Abdallahs Onkel. Aber Hassan fiel in Ungnade, weil er in den letzten Monaten, die König Hussein in einer amerikanischen Spezialklinik verbrachte, als Interimsregent allzu viel Machtbewusstsein demonstrierte und zudem wenig Unterstützung in der Armee genoss, dem Rückgrat der Monarchie.

Man könnte daher argumentieren, König Abdallah II. brauche erst einmal Zeit, um in seine Rolle zu finden, ein Programm zu formulieren, seine Herrschaft zu festigen. Und macht der 38-Jährige nicht das Richtige? Reist durch die arabische Welt, durch Europa und vor allem Amerika, gemeinsam mit der 29-jährigen Königin der Herzen, um für sein Land zu werben, das er gerne als "IT-Hub" sähe, als Drehscheibe der Informationstechnologie im Nahen Osten?

Was ist gegen einen König zu sagen, der Wachstum und Entwicklung anstrebt?