Der Fall: In der Berliner Ausstellung Sieben Hügel ist ein schöner Bluff aufgeflogen. In der Abteilung Glauben werden archäologische Zeugnisse eines sibirischen Volkes gezeigt, das es nicht gibt, sondern das die Erfindung eines - ja was? - Konzeptkünstlers namens Klaus Heid ist. Klaus Heid rühmt sich, naturgemäß im Internet, seiner "suggestofiktiven Methode", und in einem Katalogbeitrag der Sieben Hügel ist im Zusammenhang des von ihm erfundenen Volks der "Khuza" von "Fremdheitserfahrung als ästhetischer Form und Erbe einer musealisierten Religion" die Rede. Genau!, wie Eckhard Henscheid in solchem Zusammenhang auszurufen pflegt. Sowieso.

Die Süddeutsche Zeitung, die den Fake aufdeckte, musste sich daher von der Ausstellungsleitung allzu starke Ironiefestigkeit vorhalten lassen. Außerdem sei das Spiel zwischen Wissenschaft und Fiktion im Katalog ja aufgedeckt.

Stimmt, gewissermaßen im Kleingedruckten. Doch es steht am Ende eines Beitrags, der die Sieben Hügel-üblichen Kalenderweisheiten so dicht aneinander reiht ("Religiöses Leben in seiner ganzen Mannigfaltigkeit ist immer noch, allen Unkenrufen zum Trotz, weltweit gegenwärtig"), dass kein erwachsener Mensch dergleichen zu Ende liest. Und ein bisschen wirksam muss die Täuschung ja sein, sonst bleibt der Spaß sinnlos. So wird uns ein steinerner Kreis gezeigt, dessen leeres Innere den "Verlust der Mitte" bei dem sibirischen Volk symbolisieren und außerdem "die weltumspannende kultische Straße (Vorläufer der Seidenstraße)" darstellen soll. Auch dieser allegorische Quatsch ist typisch Sieben Hügel.

Die Möglichkeiten: Soll man sich aufregen? Soll man die längst fällige Vertreibung nicht der Händler und Wechsler, sondern der Impresarios, Ausstellungsregisseure, Konzeptkünstler, Kommunikationsdesigner und wie sie alle heißen aus den Tempeln der Wissenschaft fordern? Wirksamer wäre vielleicht, ein paar fiese kleine Unrichtigkeiten über die Sieben Hügel und ihre Ausstellungsmacher in die Welt zu setzen

wenn die dann kommen und sich beschweren, könnte man ihnen "Ätsch, suggestofiktiv!" entgegenrufen. Besser wohl, man vertraut auf die Kraft der Langeweile. Das grenzüberschreitende Ästhetische, das in alle Ecken der Lebenswelt kriecht, ist ein so ekliger Sirup, dass von dieser klebrigen Fadheit bald niemand mehr etwas wissen wollen wird. Er macht alles so sterbenslangweilig, dass Konzeptkunst bald ein Schimpfwort sein wird. Hoffen wir zuversichtlich.