Der Artikel funktioniert genau so, wie Frau Sichtermann es dem Münchner, dem deutschen Filmnachwuchs unterstellt: routiniert und geschmeidig gemacht, nur ohne erkennbare Lust an der Wahrheitsfindung.

Zunächst: Die Situation der Film- und Fernsehausbildung in Deutschland ist keinesfalls "düster". Immerhin gibt es in unserer Republik, föderaler Struktur sei es gedankt, gleich fünf erstklassige Filmhochschulen. Ist der Autorin bekannt, dass in den letzten vier Jahren der Student Academy Award ("Studenten-Oskar") jedes Mal an einen Film einer deutschen Filmhochschule gegangen ist? Warum verschweigt sie, eben diese Auszeichnung dem einzigen Film, der in dem Artikel ihre Gnade fand (Quiero Ser), zuteil wurde? Und nachdem die Autorin festgestellt hat, dass es bei uns keine nennenswerte Filmausbildung gibt, dann die säuerliche Frage, wer das alles bezahlen soll.

Also was denn nun? Geben wir zu viel oder zu wenig Geld für die Filmausbildung aus? Natürlich trifft der BR seine Auswahl für seine Kurzfilmreihe auch nach Kriterien der handwerklichen Qualität oder des Unterhaltungswerts. Aus dieser Auswahl aber ein derartiges Pauschalurteil über den deutschen Filmnachwuchs abzuleiten ist schlicht unfair. Wir laden alle, insbesondere die Autorin, ein, sich bei uns oder auf Festivals auch andere Filme unseres Nachwuchses anzuschauen. Vielleicht ergibt sich dann ja ein differenzierteres Bild. Der Nachwuchs hätte es verdient.

Prof. Peter C. Slansky Hochschule für Fernsehen und Film, München