Guter Rat ist derzeit teuer für DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp. Was immer er unternimmt, die Anleger in den Vereinigten Staaten zeigen ihm die kalte Schulter. Weder die groß angekündigten Internet-Aktivitäten, noch die jüngsten Allianzen mit asiatischen Autobauern konnten den Abwärtstrend der DCX-Aktie stoppen. Mittlerweile liegt der Kurs um rund 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Jetzt haben Schrempp und seine Strategen wieder neue Ideen, wie sie den renditebewussten US-Anlegern eine Freude machen könnten. Nachdem die Einsparpotenziale in Einkauf und Produktion (Stichwort: Prozessoptimierung) schon zu einem guten Teil realisiert wurden, sollen jetzt die Verwaltungen in den beiden Unternehmenszentralen in Auburn Hills und Stuttgart bluten. Bei den 12 000 Mitarbeitern, die in der Zentrale in Stuttgart-Möhringen und Untertürkheim arbeiten, ist die Aufregung groß. Zwar soll ein von der Unternehmensberatung Roland Berger ausgearbeitetes Sparkonzept nicht umgesetzt werden, dafür müssen jetzt die Bereichsvorstände bis Anfang September "kreative Vorschläge" machen. Als "Denkhürde" seien 25 Prozent Einsparungen vorgegeben, wissen die Betriebsräte in Stuttgart. Kein Wunder, dass ihnen das sehr sauer aufstößt. Bisher schon seien - nicht zuletzt zur Bewältigung der Fusionsfolgen - unzählige unbezahlte Überstunden geleistet worden, moniert Richard Roos, Betriebsratsvorsitzender in der Zentrale. Zudem kämen durch die E-Business-Projekte und neue Allianzen (Mitsubishi, Hyundai) weitere Aufgaben auf die Mitarbeiter zu.

Bis Anfang September müssen die Vorstände mit ihren Sparvorschlägen rüberkommen. Da darf man gespannt sein, wie groß etwa Jürgen Hubbert (Mercedes Pkw), Dieter Zetsche (Lkw), Finanzchef Manfred Gentz oder gar der Vorstandsvorsitzende selbst die Luft in ihren Stäben einschätzen. Da die Manager in Auburn Hills traditionell mit weit weniger Hilfspersonal auskommen, dürfte sich mancher von ihnen jetzt klammheimlich die Hände reiben (siehe auch Seite 26). Richard Roos und seine Kollegen jedenfalls machten bereits klar, dass sie "absolut kein Verständnis für einschneidende personelle Maßnahmen" hätten. Für zusätzlichen Zündstoff dürfte eine paralell durchgesickerte Nachricht sorgen. Die Vorstände wollen im imposanten New Yorker Chrysler-Building, das längst nicht mehr dem Konzern gehört, gleich drei Etagen anmieten. So manch einer im Möhringer "Bullshit Castle" (Schrempp) orakelt, ob New-York-Fan Schrempp da nicht noch Größeres vorhat.

Die fleißigen Schaffer im Schwabenland wappnen sich.