Originalität ist gut, macht aber auch viel Arbeit. Der Drehbuchautor Ron Bass hat eine originelle Idee gehabt, dann jedoch die Arbeit gescheut. So kommt es, dass Tiefe der Sehnsucht zwar eine knusprige Schale besitzt, nur leider die Füllung furchtbar fade schmeckt. Demi Moore führt ein Doppelleben. Als Marie teilt sie mit ihren zwei kleinen Töchtern ein Haus in der Provence, als Marty ist sie eine umtriebige New Yorker Verlegerin. Wenn sie abends im einen Dasein die Augen schließt, wacht sie umgehend im anderen auf, und wenn dort die Schlafenszeit anbricht, geht's gleich wieder zurück ins erste Leben.

Allerdings: Welches Leben war wirklich zuerst da und ist damit das wahre, welches ist dagegen nur ein Traum? Und welcher Liebhaber existiert wirklich, und welcher ist nur eine gut aussehende Fantasie? Sowohl Marty als auch Marie beschäftigen einen Psychoanalytiker, und beide Ärzte haben natürlich Erklärungen parat gegen das jeweils andere, das Nacht-Leben. Dummerweise folgt das Drehbuch ihrer Logik, und Regisseur Alain Berliner lässt es geschehen. Das eine Leben kompensiert, was dem anderen fehlt, und bevor beide beginnen, einander auf anregende Weise zu entern, wird brav eins ausgezählt und der Traum für beendet erklärt, dem Realitätsprinzip zuliebe. Im Grunde steckt darin auch ein Verrat am Prinzip Kino, das schließlich von Träumen und vom ausgedachten Leben handelt. Das sollte es weiterhin. Deshalb ziehen wir uns unbeeindruckt aus dem therapeutischen Ordnungsruf von Ron Bass und Alain Berliner zurück.