Roland Limacher: Meines Vaters Haus Diogenes Verlag, Zürich 2000 138 S., 29,90 DM Nachts steht seine kleine Schwester senkrecht im Bett und schreit, der Vater malt heimlich die nackte schwangere Mutter in Öl, Onkel Alfred, ein angeblicher Torero, versucht sich als Kunstfurzer - das Haus des Vaters könnte ein Panoptikum werden, wäre da nicht dieser ruhige Ton, der Roland Limachers Erzählung als poetische Kindheitserinnerung trägt. Die Familie ist in ein ehemaliges Waisenhaus im Wald gezogen, mit 20 Zimmern und 40 Betten, die sich langsam füllen. Der zwölfjährige Sohn sitzt am Fluss, und wie Treibgut verhaken sich Episoden und Fantasien.

John Berger: Einst in Europa. Fotografien von P. MacDonald aus dem Englischen von Jörg Trobitius C. Hanser Verlag, München 2000 130 S., 45,- DM Diese Erzählung erschien 1988 zum ersten Mal in deutscher Sprache. Man könnte sie bedenkenlos jedes Jahr neu publizieren, gäbe es jetzt nicht diese edle Ausgabe, die Erde und Himmel in Farbfotografien widerspiegelt. Detail und Totale werden identisch, wie das Leben von Odile Blanc, einst gespalten zwischen ihrer Familie und Stepan, dem russischen Arbeiter in der Manganfabrik. Ihre erste und einzige Liebe verbrennt in einem Hochofen. "Die Hölle beginnt mit der Hoffnung", steht da, und man liest immer langsamer, in Angst, diese große Geschichte könnte irgendwann zu Ende gehen.