Die deutsche Fußballnationalmannschaft und die deutschen Hooligans verbindet die Perspektivlosigkeit. Bei der einen Gruppe, den Fußballern, mündet die Perspektivlosigkeit in lethargischen Stehfußball, rückwärtswinkend offenbar mit einem großen Geldschein - bei den Hooligans mündet die Perspektivlosigkeit in Aggressionen, gerichtet gegen alles sich Bewegende.

Aus einer Republik, in der die häufigste Äußerung ist: "Da kann man sowieso nichts machen, die machen, was sie wollen", kommen jetzt Fußballer, die nichts machen, weil man sowieso nichts machen kann - außer ordentlich abzuzocken. Sport hat immer noch etwas mit Spiel zu tun. Wenn Fußballspiel nur noch Beruf und Ernst ist, fehlt die Sinnfindung

warum laufen dann 22 Millionäre hinter einem Ball her, wenn sich doch jeder von ihnen in jeder Minute einen neuen Ball kaufen könnte?

Dr. Felix-Rüdiger G. Giebler Friedrichstadt/Eider

Früher gewannen unsere Nationalmannschaften nicht deswegen, weil sie Artisten am Ball waren, sondern weil sie konditionell den Gegnern überlegen waren, das Handwerk des Fußballs beherrschten und vor allen Dingen vom Siegeswillen beseelt waren. Das entsprach dem deutschen Volkscharakter, und deshalb bestand Harmonie zwischen den Leistungen der deutschen Nationalmannschaft und dem Fußballvolk. Selbst wenn sie manchmal verlor, wurde sie nicht in Grund und Boden kritisiert, wenn sie nur die erwartete Leistung in etwa erbracht hatte.

Anders laufen die Dinge in den letzten Jahren. Den letzten Höhepunkt erlebte der deutsche Fußball, als die Europameisterschaft vor vier Jahren gewonnen wurde. Mit einer relativ alten Mannschaft setzte sie sich mit Glück und Können durch, weil sie oben angegebene Fähigkeiten praktizierte. Sie war dazu auch imstande, weil Charaktere sie dazu zwangen, nämlich Spieler wie Sammer, Klinsmann, Helmer und Köpke sowie Eilts. Die waren aber nur die glückliche Fügung einer Ansammlung von Persönlichkeiten. Nehmen wir als Gegenstück den Gewinn der Weltmeisterschaft 1994. Da gab es keinen Spieler, der die anderen zu etwas gezwungen hätte. Einer wie der andere war total beseelt, den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Es gab keine Leitwölfe.

Das heutige Team spielt so, als ob es nur darum ginge, nach Möglichkeit unverletzt und unüberanstrengt in die nächste Bundesligasaison zu gehen, um dort weiter die überhöhten Gelder zu kassieren.