Wie war es doch vordem so schön, als Naturwissenschaftler das Glauben noch den Theologen überließen. Strenge Logik, sichere Beweise und unumstößliche Tatsachen bestimmten ihr Weltbild. Die Zeiten sind vorbei.

Physiker, Chemiker und Biowissenschaftler produzieren zwar immer mehr Ergebnisse - doch sie wissen immer weniger. Nicht, weil den Forschungseinrichtungen das Geld ausginge, sondern weil sie mit jedem Erkenntnisfortschritt auf immer größere Komplexität stoßen.

Als vergangene Woche 53 Nobelpreisträger der naturwissenschaftlichen Sparten in Lindau am Bodensee zusammentrafen - immerhin fast ein Drittel der lebenden Laureaten -, da war nichts mehr von der Siegesstimmung früherer Jahre zu spüren. Damals, als Astrophysiker noch behaupteten, sie hätten jetzt nur noch die letzten Sekunden bis zum Urknall zu erforschen, und dann wisse man ein für alle Mal Bescheid.

Ein zaghaftes "Ich glaube ..." bestimmte den Diskurs. Und das unter den angesehensten Vertretern der rationalen Wissenschaft. "Ich glaube ..., Leben ist Chemie", sagt Christian de Duve, Medizinnobelpreisträger von 1974 aus Brüssel. Wenn außerhalb der Erde ähnliche Bedingungen wie hier herrschten, entwickele sich Leben auch ähnlich. "Aber das ist natürlich reine Spekulation!", schränkt de Duve ein. "Ich glaube ..., das einzige biologische Gesetz ist die Selektion", sagt Hamilton Smith, Duves Kollege aus den USA.

"Ich glaube ..., dass wir irgendwann physikalisch beschreiben können, was Bewusstsein ist", sagt Edmond Fischer, Medizinlaureat von 1992 aus den USA.

Und Manfred Eigen, einer der großen, alten Gelehrten, der vor 33 Jahren den Chemienobelpreis bekam, schließt vorsichtig: "Ich glaube ..., wir sollten sagen, dass wir vom Bewusstsein nichts verstehen. Wir sollten schon froh sein, wenn wir uns mit einfachen Dingen sinnvoll beschäftigen können." - "Wir bewegen uns vom Zustand, in dem wir dachten, wir wüssten viel, dahin, dass wir merken: Wir wissen wenig. In der Biologie wissen wir fast nichts", bringt Richard Roberts, ein praktisch denkender Mann, der seit Jahren bei der New England Biolabs Company im amerikanischen Beverly Gene erforscht, das Lebensgefühl seiner Nobel-Kollegen auf den Punkt.

Nun war es kein leichtes Thema, zu dem sich die Fach-Koryphäen in der Lindauer Inselhalle äußern sollten: Ursprung und Fortpflanzung des Lebens.