Alexander von der Groeben/Simone Mennemeier: Sumo - Kampf der Giganten

Verlag Dieter Born, Bonn 2000

144 S., 49,80 DM

In Japan werden sie bewundert wie anderswo Popstars und Profifußballer. Kein kleiner Junge, der nicht davon träumte, später Sumo-Kämpfer zu werden. Keine Frau, die ein Rendezvous mit einem Ringer ausschlagen würde. Für Westler ist das Phänomen Sumo rätselhaft. Warum tragen die Männer Windeln und Haarknoten, fragten wir, als Japanreisende die ersten Ansichtskarten mit Wettkampfszenen schickten.

Inzwischen hat der Bonner Verlag Dieter Born ein Buch herausgebracht, das alle Fragen beantwortet. Das Jahr der Reichseinigung 1603 ist auch die Geburtsstunde des Profisports: Die arbeitslosen Samurai mussten sich anders abreagieren. Sie kultivierten ihre Kriegskunst immer weiter, bis die Japaner auf die Unterhaltung nie wieder verzichten wollten - nicht als der amerikanische Kommodore Matthew Perry 1854 die Öffnung des abgeschotteten Inselreichs erzwang und über das "verrückte" Aussehen der Ringer spottete und auch nicht als die Allierten nach 1945 die traditionsreiche Tokyoter Arena in eine Eisbahn umwandelten.

Vieles hat sich in Japan unter dem Einfluss des Westens verändert - der Kampfsport Sumo nicht. Die Langhaarfrisuren und gewickelten Gewänder, die im alten Edo auch für Männer üblich waren, haben sich in der Tracht der Ringer bis heute erhalten. Aus praktischen Gründen: Der Haarknoten polstert den Kopf bei Stürzen. Die Bauchbinde hilft, den Gegner beim Wickel zu nehmen. Minutiös beschreiben die Autoren die Choreografie des Stampfens und Starrens vor Kampfbeginn, das Salzwerfen als Ritual der Reinigung und die 60 Techniken, den Gegner zu Fall zu bringen. Laien ergötzen sich an Fotos, Farbholzschnitten und Zeichnungen: Seite an Seite pralle Menschenleiber, zum Schluss aufgelistet nach Körpergröße und Lebendgewicht (derzeitiger Rekord: 234 Kilo). Auch das Rezept für den nahrhaften Eintopf Chanko-Nabe darf nicht fehlen. Aus Hühnchen, Tofu, Pilzen und reichlich Gemüse zubereitet, macht die Suppe allein noch nicht fett. Um wirklich zuzulegen, muss man sie mit viel Bier hinunterspülen und nach dem Essen ein Schläfchen halten, raten die Autoren. Diese Erkenntnis dürfte umgekehrt für Leser von Interesse sein, die bei der Lektüre spontan eine Sommerdiät beschließen.