Wahlen sind für die Finanzmärkte ein Reizthema. Ihr Ausgang ist unvorhersehbar, ebenso ihre Folgen. Zwei aktuelle Beispiele sind Japan und Mexiko. Beide Länder haben eine enorme Bedeutung für Amerika: für die Wirtschaft, den Handel, die Außenpolitik und für die nationale Sicherheit.

Was in Japan und Mexiko passiert, ist für amerikanische Investoren und Märkte extrem wichtig.

Darüber hinaus haben diese Länder, die von ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihrem Lebensstandard wohl kaum unterschiedlicher sein könnten, einige bedeutsame Gemeinsamkeiten. Beide haben in den vergangenen Jahren schmerzhafte, noch nicht ganz überwundene Finanzkrisen erlebt. Beide wurden über eine unglaublich lange Zeit von jeweils einer politischen Partei regiert - Japan von der Liberaldemokratischen Partei (LPD), Mexiko von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI). Und in beiden Ländern wurden in den vergangenen Wochen Wahlen abgehalten - mit einem Ausgang, der gegensätzlicher nicht sein könnte.

In Japan hält sich die LDP trotz eines Jahrzehnts unbefriedigender wirtschaftlicher Ergebnisse, trotz steigender Arbeitslosigkeit und eines darbenden Aktienmarktes nach wie vor an der Macht, wenn auch nur mit letzter Kraft. Der Hauptgrund dafür: Die Opposition bot keine überzeugende Alternative. Und wie reagierten die Aktienmärkte? Tokios Börse setzte zu einer müden Kurserholung an, doch es fehlt die Begeisterung. Ausländische Investoren verkaufen weiter ihren Bestand an japanischen Wertpapieren. Wohl kaum ein Vertrauensvotum für die neue LDP-Regierung.

Der Gegensatz zu Mexiko ist atemberaubend. Vor über drei Jahren erklärte der damalige Gouverneur von Guanajuato, einer mittelgroßen Provinz im Norden von Mexiko-Stadt, Vicente Fox, er werde für die Präsidentschaft kandidieren. Fox, charismatischster Vertreter der bürgerlichen Partei der Nationalen Aktion (PAN), arbeitete als Coca-Cola-Manager (daher spricht er fließend Englisch) und später als selbstständiger Unternehmer. Er organisierte seinen Wahlkampf mithilfe einer professionellen Marketingkampagne, die seine ehemaligen Kollegen bei Coca-Cola vor Neid erblassen lassen könnte. Das lohnende Ergebnis war eine überwältigender Wahlsieg, besonders durch die Stimmen junger, gut ausgebildeter, städtischer und optimistisch gestimmter Wähler.

Die Reaktion der Märkte: Anfangs schnellten die Kurse zwar in die Höhe, doch dann kamen sie bald wieder zur Besinnung. Vicente Fox steht vor einer mühsamen Aufgabe. Den stark zersplitterten mexikanischen Kongress kann er nur mit Kompromissen und persönlicher Überzeugungskraft regieren. Zwar hat Fox kühne Pläne, Bildung und Ausbildung in Mexiko zu verbessern, die Stromwirtschaft zu privatisieren, Kredite für Kleinunternehmen zu fördern und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA und Kanada zu intensivieren. Doch gibt es vielfältige Eigeninteressen, hier und in Mexiko, die sich dagegen wehren. Wie viele Reformen wird Fox durchsetzen? Wahrscheinlich weniger, als er möchte, jedoch mehr, als es ohne ihn möglich wäre.

Was zeigt das für die Finanzmärkte? Politische Überraschungen sorgen gleichermaßen für Begeisterung wie Verunsicherung. Finanzmärkte, heißt es, seien gut darin, alle verfügbaren Informationen auszuwerten, um sich ein Urteil über künftige Ereignisse zu bilden. Aber es ist natürlich eine ganze Menge, was Anleger gerne wissen möchten, bevor sie etwa in Mexiko investieren. Aber ihre Fragen können nicht beantwortet werden, weil niemand sagen kann, wie sich die Dinge unter der Fox-Regierung entwickeln werden.