Er ist ein Architekt, der so schneidend denkt, wie er schnittig baut, und doch liebt er nichts mehr als spiralförmige Strategien. Durch viele Verschlingungen und über holprige Umwege ist Peter Eisenman nun dort angelangt, wo er mit seinem Berliner Holocaust-Mahnmal immer hin wollte: Sein Feld der tausend Stelen, so ist es jetzt beschlossen, wird auf und nieder wogen können, wie es schon der erste Entwurf vorgeschlagen hatte. Keine Erklärung, kein Ziel wird dieses Mahnmal haben und keine Botschaft - dem Besucher bleibt nur die Erfahrung am eigenen Leibe. Hingegen hatte Kunststaatsminister Michael Naumann immer für eine didaktische Aufbereitung des abstrakten Kunstwerks plädiert. Ganz wird er nicht darauf verzichten müssen, doch aus seinem Haus der Erinnerung ist eher eine Höhle geworden.

Unterirdisch werden (für viel, wahrscheinlich zu viel Geld) mehrere Räume ausgehoben, in denen dann der Holocaust auf einigen Schau- und Lesetafeln anschaulich werden soll. Ursprünglich hatte Naumann vorgeschwebt, ein gewaltiges Gedenkgestade am Stelenfeld aufwachsen zu lassen, mit Bibliothek, Museum und Institut. Und brav hatte Eisenman damals den Wünschen entsprochen und ein Modell vorgeführt, das so unförmig und aufgedonnert war, dass viele dem New Yorker Architekten lauthals Verrat in eigener Sache vorwarfen. Heute aber ahnt man das doppelt schlaue Kalkül: Eisenman entwarf ein Mahnmal, das eigentlich nur abgelehnt werden konnte. Und am Ende der Spirale zu einem Kompromiss führte, der sein Sieg ist.