Endlich ist Schluss mit der Rechnerei, mit unrealistischen Prognosen. Was alle längst ahnten, gab die Expo-Leitung kürzlich in ihrer ersten Bilanz offen zu: Die anvisierten 40 Millionen Besucher kommen nun doch nicht zur Expo. Auswärtige Besucher wurden ja auch hinreichend abgeschreckt durch die Diskussionen über ein mögliches Verkehrschaos, den Zwang zum Vorbuchen der Parkplätze sowie hohe Eintritts- und Hotelpreise. Das sagt die Expo natürlich nicht. Sie macht sich vielmehr Sorgen darüber, dass ein großer Teil der Besucher aus Niedersachsen und den angrenzenden Regionen kommt.

Nur sie profitieren schließlich von den Sonderangeboten am Abend, denn eine weite Reise lohnt sich kaum für wenige Stunden. Die Niedersachsen stört das weniger - nun haben sie die Expo (fast) ganz für sich allein. Und sie okkupieren das Gelände seit Wochen jeden Abend zum Schnäppchenpreis. Nach den 10-Mark-Tickets im Juni gibt's Expo im Juli noch mal billig, und zwar für 15 Mark ab 19 Uhr, Fahrtickets für die Öffis inbegriffen. Dafür können die Niedersachsen Party machen bis zum Umfallen, Konzerte in der Beat Box und anderen Hallen besuchen, Open-Air-Kino gucken, mal in die Hallen reinschnuppern. Alles ohne lange Wartezeiten.

Noch. Selbst das, wovor sich alle fürchteten, wird in diesen Tagen geradezu stolz in den Nachrichten verkündet: Staus beim An- und Abreiseverkehr auf den Straßen! Endlich. Die einzigen, denen die billigen Abendtickets weniger Spaß machen, sind die hannoverschen Gastronomen. Nun bleiben nicht nur die Expo-Gäste aus, sondern auch die Stammgäste, die sich lieber auf der Expo amüsieren.

Übrigens hat die Expo nicht nur an der Preisschraube gedreht, was die Abendtickets anbetrifft, sondern sie will sogar noch zusätzlich reichlich Geld für eine Werbekampagne lockermachen. Die soll weniger verkopft, sondern sehr emotional sein. Das ist schön für die Weltausstellung, zumal sich die prominenten Botschafter der Expo ja nirgendwo mehr blicken lassen.