Wenn es um Spenden und Spender geht, ist offenbar nicht nur Altbundeskanzler Helmut Kohl von ungewöhnlicher Verschwiegenheit. Auch die Hamburger CDU hielt einen Gönner lange geheim. Doch während der Altbundeskanzler sein Schweigen damit begründet, er habe den Spendern sein Ehrenwort gegeben, will die Hamburger CDU so eine Zusicherung nicht gegeben haben. Dennoch blieb die 5-Millionen-Gabe des Ehepaares Ingrid und Karl Ehlerding - die größte Einzelspende in der Parteigeschichte - lange im Dunkeln. Dabei gab es durchaus eine Gelegenheit, die Unterstützung der Ehlerdings für die CDU gebührend zu würdigen: Am 23.September 1998, nach einer Wahlkampfveranstaltung in Hamburg mit Helmut Kohl fand ein Essen statt, zu dem die Partei ihre Spender eingeladen hatte, wie Kohl dem Untersuchungsausschuss jetzt mitteilte. Erst bei dem Treffen aber, so Kohl, habe er die Ehlerdings kennen gelernt. "Bei diesem Essen wurde mir mit anderen Spendern die Familie Ehlerding vorgestellt. Und ich habe mich bei den Spendern selbstverständlich für ihre Unterstützung bedankt" - über die ungewöhnliche Höhe der Spende wurde anscheindend kein Wort verloren. Nicht einmal der Hamburger Vorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Ole von Beust, will eingeweiht gewesen sein. Dabei war er ebenso wie der Hauptabteilungsleiter der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Hans Terlinden, einer der 35 Teilnehmer der Runde. Darüber hinaus haben die Ehlerdings just an diesem Tag Terlinden jeweils vier Schecks über insgesamt fünf Millionen Mark übergeben. Das Geld sollte, so hatte die Pressestelle der CDU der ZEIT im Januar mitgeteilt, "auf Wunsch der Eheleute Ehlerding für eine Anzeigenkampagne in verschiedenen Tageszeitungen am Vortag der Bundestagswahl 1998 verwendet werden". Warum also die Geheimniskrämerei selbst vor den Parteifreunden? Und warum wurde das Geld erst am 30. September auf ein Konto der CDU-Bundesgeschäftsstelle gebucht - drei Tage nach der Bundestagswahl am 27. September?