l.m.v.d.r. - so kryptisch verklausuliert Thomas Ruff seine aktuelle Ausstellung in Haus Lange/Haus Esters in Krefeld (bis 17. September, Katalog 28,- DM). Hinter dem symmetrisch angeordneten Kürzel verbirgt sich eine Hommage an Ludwig Mies van der Rohe, den großen Architekten und Erbauer der beiden Krefelder Ausstellungshäuser. Mit dieser und zwei anderen Ausstellungen feiert die Stadt nun deren Wiedereröffnung nach mehrjährigen, aufwändigen Renovierungsarbeiten. Die großzügige Raumauffassung, die ausgeklügelten Blickschneisen und die wohl präparierten Details bestätigen: Die ursprünglich für zwei Krefelder Industrielle und Kunstsammler Ende der zwanziger Jahre erbauten Privatvillen bewähren sich nach wie vor bestens als Häuser für die Kunst. Zwischen öffentlicher Repräsentation, kollektivem Kulturgut und subjektivem Erleben ist hier eine spannende Gratwanderung gelungen. Über 200 Ausstellungen haben seit 1955 Haus Lange - und seit 1981 auch Haus Esters - belebt. Innerhalb dieses architektonischen "Doppelpacks" der beiden direkt benachbarten Backsteinbauten inzeniert Ruff nun seine fotografischen Reflexionen über ausgewählte Mies-van-der-Rohe-Bauten. Durch die Anordnung verschiedener Ansichten dramatisiert er die kunstvolle Raumorganisation und multipliziert sie so kaleidoskopartig. Dieses Spiegelverfahren kulminiert in Stereoskopien, die den dreidimensionalen Zugang zur Architektur simulieren. Einer Architektur, der doch immer wieder ihre Seelenlosigkeit vorgehalten wurde. Wie selbst das Mobiliar zu Kompositionselementen wird - davon zeugt auch die Mies gewidmete Dokumentationsausstellung.