Was Börse und Tierreich gemeinsam haben? Eine ganze Menge, könnte man meinen, schließlich sind auf dem Parkett jede Menge Bullen und Bären aktiv, einige Anleger haben ordentlich Mäuse gemacht, und mancher Investor ist durch weniger erfolgreiche Spekulationen schon auf den Hund gekommen. Auch jene Parkettastrologen, die das ständige Auf und Ab der Kurse mithilfe der in Fachkreisen beliebten Elliot-Wave-Theorie vorhersagen wollen, leisten Tierisches: Stützt sich ihre Gedankenwerk doch auf das gemeine Hauskaninchen respektive dessen Sexualverhalten.

Und das kam so: Stauferkaiser Friedrich II., der zur Ablenkung von den Regierungspflichten der Karnickelzucht frönte, war auf der Suche nach einem mathematischen Modell zur Vorhersage der Entwicklung seiner Nagerpopulation.

Sein Hofmathematiker, ein gewisser Leonardo da Pisa, entwickelte daraufhin im Jahr 1225 eine simple Zahlenfolge, welche die Ergebnisse der Lieblingsbeschäftigung der fruchtbaren Tierchen recht gut beschrieb.

Manipuliert man ein wenig an den Gliedern dieser Folge herum, lässt sich mit ihr noch mehr anfangen: So ist etwa das Prinzip des Goldenen Schnitts mit diesen Zahlen sehr schön zu demonstrieren. Das hat die Rammler aus Friedrichs Zucht zwar kaum tangiert, doch die Kollegen Fibonaccis - so der Spitzname des Rechengenies - waren derart begeistert, dass sie die Zahlenreihe nach ihm nannten.

Einen Goldenen Schnitt versuchen heutzutage auch die erwähnten Elliot-Wave-Theoretiker, wenn sie uns die Ergebnisse ihrer Analysen teuer verkaufen. In ihrer Weltsicht wird die Entwicklung von Aktienkursen durch ein wellenartiges Verhalten am besten beschrieben. Da eine einzige Woge für das lukrative Surfen auf dem Trend nicht ausreicht, beglücken sie die Investoren mit der Beschreibung von Haupt-, Neben- und anderen zweckfreien Wellen. Und da man ohne Kursziele und Unterstützungszonen für Kursgrafiken nicht auskommt, erfreuen sie uns mit Prophezeiungen, die durch die so genannten Fibonacci-Retracements festgelegt sind.

Womit wir wieder bei den kaiserlichen Kaninchen wären: Uns Narren fiel auf, dass Anleger, die den Weisungen der Elliot-Jünger folgen, nicht selten auf die Nase fallen. Wenn Sie also einen Börsianer rufen hören: "Da haben wir den Salat", wissen Sie, worauf er hereingefallen ist. Ohne Grünzeug kein Karnickel, ohne Karnickel kein Retracement. Die Befürworter der Wellentheorie beeindruckt das nicht. Ihre Pseudowissenschaft - so der listige Einwand - möge zwar einer exakten Überprüfung nicht standhalten, aber das sei egal, solange sich genügend Marktteilnehmer ihrer bedienten und entsprechende Entscheidungen träfen. Wir Narren am Hof der Finanzen kontern mit folgender Empfehlung aus dem Tierreich: "Anleger, esst Kaninchendung! Millionen Fliegen können nicht irren ..."

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