Die Zeit: Was haben Sie alles dabei, wenn Sie im Stau unterwegs sind?

Martin Mühlbauer: Die Seitenkoffer unserer Motorräder sind voll gepackt mit Straßenkarten und Getränken, hauptsächlich Mineralwasser, gekühlt sogar. Für Kinder sind Süßigkeiten, Kuscheltiere und Spiele wie Mensch ärgere Dich nicht im Koffer. Dann haben wir natürlich Mobiltelefone dabei. Damit haben wir ständig Kontakt zu Polizeidirektionen, zur ADAC- Zentrale oder zum Roten Kreuz. In Südbayern sind damit jedes Wochenende neun Stauberater unterwegs.

Zeit: Was wollen die Festsitzenden denn am häufigsten wissen von Ihnen?

Mühlbauer: Die Informationen aus dem Rundfunk reichen den meisten Leuten nicht. Sie wollen nicht nur wissen, wo ein Stau ist, sondern auch, warum. Da klären wir dann auf, sagen, da ist eine Baustelle oder ein Unfall, und auf welcher Spur man sich jetzt am besten einordnen muss. Oft fragen uns die Urlauber auch nach der Wassertemperatur an ihrem Ferienziel. Ich gebe dann immer angenehme Temperaturen an.

Zeit: Kommt es bei einem Stau zwischen den Autofahrern häufig zum Streit?

Mühlbauer: Beim Stop-and-go-Verkehr kämpfen die Fahrer um jede Wagenlänge.

Aber wenn alle stehen, herrscht Solidarität. Da verteilt der Wohnmobilfahrer schon mal ein paar Flaschen aus seinem Kühlschrank. Manchmal kommt es zu Volksfeststimmung. Einigen scheint der Stau eine willkommene Abwechslung zu sein, eine Gelegenheit, mit anderen zu sprechen. Aber in den Autos drinnen geht es auch etwas hitziger zu. Ein schwedisches Ehepaar hat sich einmal so heftig gestritten, dass der Mann seine Frau aus dem Auto bugsierte und nach dem Stau auf und davon fuhr. An der Grenze haben wir ihn wieder eingeholt.