Während die rot-grüne Regierung in Berlin um den Ausstieg feilschte, vertrat sie in New York das glatte Gegenteil: Sie verpflichtete sich, "die Anwendungen der Kernenergie in der zivilen Nutzung weiter zu entwickeln", und pries deren Beitrag zur "nachhaltigen Entwicklung in Entwicklungsländern". So steht es im Kommuniqué der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag, jüngst von 187 Staaten verabschiedet. Folglich macht die zuständige Internationale Atomenergie-Organisation weiter Werbung für die Atomkraft ohne Rücksicht auf Entsorgungsgefahren in instabilen Staaten, allerdings mit akzeptanzfördernder Klimaschutzrhetorik. Rund ein Drittel des Etats für Technologietransfers von 90 Millionen US-Dollar fließt in die Atomforschung, in Sicherheitsstrategien und Schulungen für den Kraftwerksbetrieb. Das Auswärtige Amt versucht den Spagat zwischen Atomein- und -ausstieg zu erklären: Der Verzicht auf Atomwaffen werde mit dem Recht auf "friedliche Nutzung der Kernenergie" kompensiert. Wegen des Vorrangs für Abrüstung und Sicherheit hätten Joschka Fischers Diplomaten auf Gegenvoten verzichtet. -

Eine besonders grüne Politik ist das nicht. Sogar die viel gescholtene Weltbank ist schon weiter. Sie fördert zunehmend regenerative Energien und finanziert den Entwicklungsländern keine AKWs mehr - weil die Kernkraft eine Sackgasse sei.

Ausgezeichnet Ulrich Fichtner, jüngst eingetreten ins Ressort Dossier der ZEIT, hat den dritten Preis des diesjährigen Egon-Erwin-Kisch-Wettbewerbs gewonnen.

Prämiert wurde seine Reportage Die verlorene Ehre des Friedrich B., die in der Frankfurter Rundschau erschienen ist. Ebenfalls einen Preis erhielt Christian Wernicke, Korrespondent der ZEIT in Brüssel. Er gewann den Journalistenpreis der Stiftung Premio Napoli für seine herausragende, weil sachlich-kritische Berichterstattung über die europäische Grundrechtscharta.