Man sollte keine Witze über die armen Leute von Wales machen. Das ist ein rühriger Menschenschlag am Rande des Vereinigten Königreichs, der als Tagewerk Schafe züchtet, Regionalhilfen der EU entgegennimmt und dann mit großzügigen Fördergeldern Fabriken vom Kontinent weglockt. Vor allem aber ist Wales ein linguistisches Notstandsgebiet. Lange konnten sich die Menschen dort nicht einmal Vokale leisten, und offenbar wurden in den vielen Brüsseler Förderprogrammen ausschließlich "L"s vergeben. Jedenfalls lesen sich jetzt alle walisischen Ortsschilder so ähnlich wie "Llangwm", "Llwynmawr" und "Llanrhaeadr-ym-Mochnant".

Man merkt es wieder: Subventionen schaden häufig mehr, als sie nützen. Die Waliser fanden es allerdings zuletzt noch schlimmer, dass sie - seit dem Ausbruch der Globalisierung - zunehmend von Vokalen aus aller Welt überrollt wurden. Gott sei Dank ist ihnen jetzt eine Reihe global operierender Konzerne zu Hilfe geeilt. Der Software-Riese Microsoft hat zum Beispiel versprochen, dass er eine "walisische" Variante seiner Office-Software herausgeben will.

Und die Coca-Cola Corporation kündigte in der letzten Woche an, ihre Brausen-Werbeplakate in der Region "zweisprachig" aufzuhängen.

Natürlich gibt es da noch eine Menge technischer Probleme - schon weil sich Coca-Cola, transkribiert ins Walisische, "Cccllllll" liest (und diese Bezeichnung ist vor Ort bereits für ein beliebtes Gurgelwasser vergeben).

Aber die Strategie stimmt. "Going local" heißt der neue Trend bei vielen Weltkonzernen - "Global denken und lokal handeln", predigen die Management-Gurus. Manche Multis wollen wieder mehr Rücksicht auf Gewohnheiten vor Ort nehmen, also zum Beispiel weniger Werbekampagnen nach ungefiltertem amerikanischem Vorbild führen. Da mussten vor allem Bosse aus den USA eine Reihe bitterer Erkenntnisse einstecken. Trotz allen Fortschritts der letzten Jahrzehnte: Viele Menschen auf der Welt sprechen noch immer ausländisch.

Und trotzdem wird die Sache mal wieder viel zu zögerlich angepackt. Was ist zum Beispiel mit dem Rheinland? Mit Köln? So eine Domstadt wäre doch im Grunde ein viel besseres Testfeld für die neue globale Kirchturmspolitik der Multis. Es ist jetzt höchste Zeit, dass Markennamen und Werbeslogans massenhaft in die rheinische Mundart übertragen werden. Wir warten auf den McFressklötsch! Orgels Palmolive und die neue Unterwäsche-Kollektion von Calvin Kallendresser! Where do you want to go today? Loss jon! Can't beat the feeling? Nä, wat jeht et uns jot! Just do it? Maach disch nit en de Botz!