Die schönsten Kirchen Deutschlands stehen im katholischen Bayern - und inzwischen auch die meisten Spielbanken: Kürzlich wurde in Feuchtwangen das achte bayerische Casino eröffnet. Wo der liebe Gott eine Kirche baut, baut der bayerische Staat ein Spielcasino. Aber darf ein Katholik eigentlich zocken?

Der freundliche Referent im Erzbischöflichen Ordinariat in Regensburg schaut für mich im Katechismus nach: Glücksspiele stehen zwischen Glückseligkeit und Gnade. Das beruhigt. Außerdem seien sie nur dann sittlich unzulässig, wenn sie jemand um das bringen, was er zu seinem Lebensunterhalt braucht. Wer immer noch zweifelt, dem sei gesagt, dass die bayerischen Spielbanken von beiden Kirchen für alle Zeiten gesegnet sind. Auch die Bayerische Lotterieverwaltung hat Gottvertrauen: Warum soll ein Katholik sein Geld nicht vermehren?

Der Weg zur Hölle, zur Spielhölle, ist leicht zu finden. Wie die Nabe im Glücksrad liegt zwischen Nürnberg und Heilbronn, zwischen Würzburg und Ulm das mittelfränkische Feuchtwangen, ein hübscher Fremdenverkehrsort an der Romantischen Straße. Den Spielteufel verbannte man allerdings weit vor die Tore der Stadt, mitten in die fränkische Pampa, direkt neben die Autobahn, die A 7. Wahrlich ein ungewöhnliches Plätzchen für eine Spielbank. Auf der einen Seite, für Kinderaugen unübersehbar, ein McDonald's. Auf der anderen, nur für Erwachsene, ein riesiger Schokoriegel mit der Aufschrift Spielcasino. Halb Parkgarage, halb Spielbank, das ist nicht unbedingt schön, aber verkehrstechnisch praktisch. Wer sein Glück sucht, kann es hier rasch finden, wer keines hat, ist auch schnell wieder weg.

Glück, steht auf den offiziellen Prospekten, ist die beste Unterhaltung.

Da Glücksspiele keine Sünde sind, muss man den Tag nicht scheuen: Ab mittags um 12 Uhr öffnen 160 Spielautomaten ihre gierigen kleinen Schlünde, und nachmittags um drei werden die Kugeln der Roulettes auf ihre Glücksbahn geschickt. Diese Spielbank ist nicht nur Anziehungspunkt für Nachtschwärmer, sie ist auch für einen Nachmittagsausflug gut. Autokennzeichen aus Würzburg, Nürnberg, ja aus München verraten, dass der Spieltrieb kaum Grenzen und Entfernungen kennt.

Ich betrete den großen Spielsaal. So schön also kann Hölle sein: blaue Teppichböden, rötliche, indirekt beleuchtete Holzverkleidung und darüber, turnhallenhoch, ein Ersatzhimmel aus funkelnden Lichtpunkten. Gedämpfte Stimmen, Pagen schwirren umher. An den Spieltischen die Damen und Herren Croupiers in Smoking und Fliege. Darüber wie Königspinguine die Tischchefs.

Das alles erinnert an eine große Operetteninszenierung, bei der alle mitspielen dürfen, in der jeder das Drehbuch kennt, nicht aber das Ende.