Was werden die Staats- und Regierungschefs des G-8-Gipfels, der am 21.

Juli beginnt, wohl von Okinawa mitbekommen? Wenig, vermutlich, außer dem extra für sie errichteten Tagungszentrum am Manza Beach. Schade. Sie hätten Gelegenheit, Menschen zu treffen, die freundlich und zufrieden sind. Und das, bemerkenswert genug, völlig grundlos.

Unvergleichlich schön soll Okinawa einmal gewesen sein. Jedenfalls bevor sich Japan 1879 die Schnur am Horizont, wie die Insel von den Nachbarn genannt wurde, einverleibte und den Druck der Kolonialmacht ausübte. Die kleinen, von Bergwäldern umrahmten Felder muteten wie ein Gemälde des antiken Kyoto an - allerdings in den fröhlicheren Farbtönen Okinawas. Wie Rubin sollen sie geleuchtet haben, die Dächer der reichen Bauernhäuser. Obwohl die Bauern unter den Abgaben für einen verschwenderischen Hofstaat stöhnten, erstrahlte das Spielzeugkönigreich dennoch in Eintracht. Einer Eintracht, die besonders den Abgesandten aus China, dem Okinawa vor der japanischen Annexion tributpflichtig war, recht bemerkenswert erschien.

Oben auf einer Hügelspitze, mit Blick auf den Pazifischen Ozean und das Ostchinesische Meer, stand der Königspalast. Ein Kenner, der zahlreiche japanische Schlösser verglich, erklärte Shuri von Okinawa 1938 zum schönsten von allen. Die Lage, seine Bauweise und erst die Aussicht - über den alten Baumbestand und die eleganten Gärten hinweg - bildeten ein einzigartiges Ensemble. Wo in Japan finden wir eine so vollkommene Kombination von Natur und Kultur?, fragte ein anderer Autor. Welche Stadt ist von wunderschönen Hügeln und rundum von Wasser umgeben und beherbergt ein traumhaftes Schloss, gut erhaltene Paläste, Tempel und Bauten von historischem Wert?

Selbst die japanischen Truppen reagierten auf so viel Schönheit mit Ehrfurcht, als sie dort 1944 Militäranlagen bauten - und ebenso erging es ein Jahr später den feindlichen Amerikanern. Die Männer, die gekommen waren, um zu kämpfen und zu sterben, berichteten in ihren Briefen von einer Insel, die wie ein Juwel in einer Traumwelt schimmert. So schrieb es ein japanischer Lehrer und Infanterist. Er benutzte damit, verblüffend genug, genau das gleiche Bild wie seine amerikanischen Gegner. Die Schlacht, die die Insel im Frühjahr 1945 zerstörte, überlebte er.

In den am heftigsten umkämpften Gebieten - gleichzeitig die besonders dicht besiedelten - wurde buchstäblich alles vernichtet. Wer hätte gedacht, dass diese Märcheninsel in einem einzigen Flammeninferno aufgehen und nur ein Haufen schwarzer Gesteinsbrocken übrig bleiben würde?

Was für ein Schicksal für ein zutiefst antimilitaristisches Volk. Als die Insel noch unabhängig war, gab es hier überhaupt keine Waffen, abgesehen von Haarnadeln. Die Liebe zum Frieden konnte ein Drittel der Bevölkerung nicht vor dem grausamen Tod bewahren. Frauen und Kinder, die überlebten, waren fast alle verwundet, litten an Hunger und schweren Krankheiten.