Gerade erst hatten 5000 Forscher in einer gemeinsamen Deklaration versichert, dass HIV wirklich der Auslöser von Aids ist. Doch einmal mehr musste Südafrikas Präsident Thabo Mbeki seine ganz eigene Sicht des Aids-Problems verkünden. Nicht die Immunschwächekrankheit, sagte er auf der Eröffnungsrede zum 13. Internationalen Aids-Kongress, sei die Geißel Afrikas, sondern die extreme Armut. Die Teilnehmer aber wollten ein klares Bekenntnis: Mbeki möge an prominenter Stelle bekunden, dass HIV Aids auslöst und damit in ganz Afrika das Bewusstsein für die Gefahr schärfen. Denn wenn nichts passiert, wird sich die Hälfte aller heute 15-jährigen Südafrikaner mit HIV infizieren und an Aids sterben.

Die wissenschaftliche Gemeinde sah sich getäuscht, Hunderte verließen den Saal. Dass dieser tödliche Stolz nicht nur die Verwirrung eines Einzelnen ist, zeigte ein anderer Fall. Vor zwei Jahren hatte sich der indischstämmige südafrikanische Kinderarzt Hoosen Coovadia gegen Kritik gewehrt: "Erst kolonialisiert ihr uns, dann gängelt ihr uns mit der Apartheid und jetzt wollt ihr uns noch vorschreiben, wie wir forschen sollen." Heute ist Coovadia Präsident der Aids-Konferenz.

Gewiss gilt es noch afrikanische Besonderheiten von Aids zu ergründen, aber die nationalistische Devise "Wir wissen am besten, welche Theorie zu uns passt" wird betroffenen Afrikanern nicht helfen, sondern sie nur einmal mehr zu Opfern machen. In Verkehrung des Kongress-Mottos "Das Schweigen brechen" möchte man Mbeki zurufen "Sag's endlich, Thabo, oder schweig!" hal