Der Osten kommt näher. Jeden Tag rücken Prag, Warschau oder Riga weiter in Richtung Brüssel vor. Selbst eingefleischte Wessis unter Europas Integrationisten haben begriffen: Nicht ob, sondern wann die ersten Aspiranten aus der Mitte des Kontinents der EU beitreten - das ist die Frage.

Also: Wann endlich?! Ob in Böhmen oder im Baltikum - überall muten die Regierungen der Kandidatenländer ihren Bürgern schließlich härteste Reformen zu. Das spröde Wort vom Transformationsprozess verschleiert, wie diese (unausweichliche) Anpassung an den Westen seit zehn Jahren Schicksal spielt: bankrotte Fabriken, verödetes Bauernland, aber auch neue Freiheit, neue Armut, Neureiche. Das Ziel all dieser Umwälzung heißt Europa - nur ist das Datum für ein Ende dieser langen Reise bis heute offen.

Das muss sich ändern. Sonst drohen Ungewissheit und Ungeduld demnächst umzuschlagen in Verbitterung und Zorn über den Westen. Sicher, niemand kann heute garantieren, welches Land wann genau der EU beitreten kann: Noch sind die Verhandlungen nicht weit genug gediehen, manch neues Gesetz steht nur auf dem Papier. Aber die Westeuropäer sollten sich erinnern, wie sie selbst in Europa vorangekommen sind: Sie setzten sich, etwa in Maastricht, ein ehrgeiziges Ziel - und legten obendrein ein Datum fest. Nur wer rechtzeitig seine Hausaufgaben erledigt hatte, durfte dann am Tag X, dem 1. Januar 1999, beim Euro dabei sein.

Warum nicht dies Erfolgsrezept erneut anwenden? Etwa so: Um am Neujahrstag 2004 die ersten neuen Mitglieder zu begrüßen, setzt Brüssel sich das Ziel, spätestens im Sommer 2002 die Verhandlungen mit den reifsten Kandidaten zu beenden. Wer sich anstrengt, gehört dann zum Club. Wer noch "unreif" ist für Milchquoten oder Souveränitätsverzicht - der muss länger draußen bleiben.

Christian Wernicke