In Südafrika herrscht Katerstimmung. Da war sich die Nation so sicher gewesen: Wir holen die Fußball-WM nach Afrika! Zum ersten Mal! Doch die Rechnung machte man ohne Franz Beckenbauer und Charles Dempsey. Mandatswidrig enthielt sich der Neuseeländer - Deutschland war der strahlende Sieger. Der schwarze Kontinent merkt wieder einmal, dass es nicht ausreicht, einen wie Nelson Mandela im Team zu haben. "Diesmal sind wir endlich dran", war die südafrikanische Parole vor der Entscheidung. Nicht zu Unrecht, denn auch in Afrika ist Fußball König. Die Asse spielen bei europäischen Erstligisten mit, in Italien, England oder Spanien. Und fußballverrückt sind die Fans in den Stadien von Lagos, Maputo und Johannesburg genauso wie in Dortmund, SÆo Paulo oder Manchester.

Jetzt sind sie zutiefst verbittert. Die Fifa hat eine große Chance verpasst, sich farbenblind zu geben und klarzumachen, dass die Weltmeisterschaft mehr ist als bloß ein Kommerzfest der Ersten Welt. Mit der WM, das haben schnelle Experten errechnet, sind der südafrikanischen Volkswirtschaft Milliarden und 129 000 neue Arbeitsplätze entgangen - wichtig in einem Land mit 30 Prozent Erwerbslosigkeit. Südafrika hat eine einmalige Gelegenheit verpasst, sich weltweit als Reiseland zu präsentieren, als ernst zu nehmender internationaler Partner, als Anwalt des Kontinents in Sachen Schuldenerlass und Demokratie.

Doch vorbei. Die große Frage für Südafrika lautet nun: Sollen wir es noch einmal mit der Weltmeisterschaft 2010 versuchen? Oder muss erst mithilfe der Dritten Welt eine grundlegende Reform des Vergabeverfahrens durchgesetzt werden, damit wir eine Chance haben? Stephen Laufer

Der Autor ist Chefkommentator der großen südafrikanischen Tageszeitung "Business Day"