Die Liebe von Rosemarie Trockel gilt dem weißen Elektroherd mit seinen schwarzen runden Platten. Er ist für sie eine schier unerschöpfliche Inspirationsquelle: Sie hat ihn fotografiert, im Video in Bewegung gesetzt, zeichnerisch umkreist, zu Objekten verfremdet und in großen schwarzweißen Tableaus in minimalistische Herdbilder verwandelt. Im kalten Licht der Leuchtstoffröhren bilden Letztere den kühlen Auftakt der anlässlich der Verleihung des Münchner Kunstpreises 1999 stattfindenden Ausstellung Rosemarie Trockel im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses (bis zum 20.

August). Die 1952 geborene Künstlerin lebt in Köln und belegt nach der Zeitschrift Capital derzeit den vierten Platz im internationalen Markt. In der Münchner Ausstellung zeigt sich Rosemarie Trockel von ihrer humorvollen Seite. So löst sich die minimalistische Strenge des Anfangs im Video Interview in einem heiteren Herdplattentanz, in dem sich die runden schwarzen Scheiben in verbale und visuelle Spielbälle verwandeln, die wie der Faden der Ariadne den Weg durch die Ausstellung erschließen. Sie werden zu sich drehenden Flächen, die zum Ausruhen und Videogucken einladen. Durch die ständige Bewegung hat der Betrachter nie nur ein Video, Foto oder Bild im Blickfeld, sondern springt sozusagen von einem Ausstellungsstück zum anderen und kann so die einzelnen Gedankenfäden und Bildzusammenhänge miteinander verknüpfen. Wie in einer Fantasielandschaft wird der Besucher vom Licht über das Halbdunkel im mittleren Bereich in fast völlige Finsternis geführt. Ein Bildvorhang, auf dem ein abgegessener Kaffeetisch zu sehen ist, wirkt gleichzeitig als Barriere und Eingang. Man muss mitten durch einen gefüllten Krapfen eintreten, auf dem Glasperlen wie Kristallzucker glitzern. Neben dem etwas albernen Video Mohn gegen Strom gibt es hier eine Diaschau mit digital veränderten Zeichnungen, in denen das prozesshafte Arbeiten von Trockel als ästhetisches Prinzip erkennbar wird. Der Zubereitung von Speisen vergleichbar, mischt sie ihr begrenztes Formenvokabular immer neu, sodass Küche und Herd zur Metapher ihrer künstlerischen Arbeitsweise werden, in der es weder eine mediale noch stilistische Festlegung gibt.