Eigentlich seien das englische Königshaus und der Adel Institutionen, die niemand mehr ernst nähme und die demnach abgeschafft werden müssten. So sagen uns Umfragen von der britischen Insel. Ist das zu glauben? Bei uns wäre das Meinungsbild sicherlich ganz anders - zumindest im Sommer, wo in den Rosenmonaten Mai und Juni die Gartenmessen ihre Tore öffnen. Ein Hauch von Windsor Castle soll dort die Besucher umfächeln, es geht um die Tradition englischer country fairs, um Lebensstil und - überhaupt - um Festivals für alle Sinne auf gehobenem Niveau.

Es hat eine Weile gedauert, bis das Gartenfieber, die Lust am Schauen und Kaufen auch den Kontinent ergriffen. Die Messen im französischen Schloss Courson, im niederländischen Kastel Hex und auf dem Landgut Beeckestijn haben sich seit einigen Jahren etabliert. Aber erst kürzlich sprießen auch deutsche Garden-Fairs aus dem Boden. 1998 startete das Gartenfestival auf Schloss Ippenburg bei Osnabrück, und schon hat es Nachahmer gefunden: Seasons auf Gut Emkendorf bei Kiel, Country Life & Garden in den Herrenhäuser Gärten von Hannover, Park & Garden auf Gut Stockseehof bei Plön sowie Das Fürstliche Gartenfest auf Schloss Fasanerie bei Fulda hatten dieses Jahr Premiere.

Immer ist das Ambiente feudal: Schlösser, Herrenhäuser, königliche Gärten!

Und die Veranstalter/innen sind (fast) immer blauen Blutes. Kommt, wie in Fulda, eine Messegesellschaft auf die einträgliche Idee, dann nimmt man sich halt einen Fürsten als Schirmherrn: Moritz Landgraf von Hessen. Bei bodenständigen Gartenenthusiasten könnte sich da ein leichter innerer Widerstand einstellen. Warum man trotzdem hinfährt? Man will sich ja nichts entgehen lassen.

Am Ziel. Holperiges Weideland wird durch rot-weißes Plastikband zum Parkplatz umfunktioniert, und angeheuerte Bauersleute winken die Besucher auf ihren Platz. Der anschließende Gang unter alten Bäumen, auf knirschendem Kies und an historischen Gebäuden entlang, stimmt auf Edles ein. Und davon gibt es nicht zu knapp. Im Tattersall werden schellackpolierte Biedermeiermöbel, Maßhemden und Brillantschmuck angeboten, antike Lederkoffer, Loden und Western(!)-Wear, Springbrunnen und gusseiserne Pavillons fordern die Käufer heraus. Selbst das Unterhaltungsprogramm zeigt sich ebenbürtig: Da kocht Gunther Lambert persönlich auf, die Frau des Bundeskanzlers beschirmt eine Hutprämierung, arme Kinder sollen auch es davon haben, und Justus Frantz dirigiert in der Konzertscheune die Philharmonie der Nationen.

Aber wo, bitte, sind die Pflanzen? Stand im Prospekt nicht etwas von Journées des Plantes?

Bis sich auf einmal der Blick abwendet vom Glitzern der Windlichter und endlich justiert ist auf Grün und Holzkästen, niedrig, gedrängt. Fünf verschiedene Thymiane, sechs Lavendel, Marokkanische Minze, Zitronengras und Opalbasilikum. Historische Rosen nicken duftend, und wundersame Klematis stehen dicht an dicht. Überall entdeckt man Spezielles, was sonst nie geboten wird: Wood-Art schnitzt Staudenstützen, die alle Kunst-Aussteller beschämen müssten - so schön sind sie. Über 100 Duftpflanzen, roter Mangold, Freilandkamelien, Hornveilchen und Cerinthe major. Ein Limonenbäumchen für den Wintergarten, eine rotlaubige Hortensie, Tränendes Herz in Weiß und gar weiße Jakobsleiter. Weidenflechter stellen Körbe, Zäune und ganze Lauben her - auch als Maßarbeit. Und der Steinmetz bietet Wassertröge aus Granit an, die genau zum Haus passen würden, inklusive eines winzigen Bronzefrosches. Mit goldener Krone, versteht sich - ist ja auch nur ganz klein.