Ob je einer ermittelt hat, welches Tier am häufigsten im Kino auftritt? Ein Hund, ein Pferd, ein mutiertes Alien aus einer fernen Galaxie? Vermutlich gibt es dazu tatsächlich eine Statistik doch was auch immer sie besagt, für eines würden wir die Hand in den Backofen legen: Der Truthahn belegt ganz sicher einen der vorderen Plätze. So schäbig wie in unserem Film kommt er freilich selten daher: zerrupft, zerfleddert, ein armseliges Etwas, das zum fatalen Ende am falschen Ort landet und für beleidigte Mienen sorgt. Und so zum Symbol wird für den Zustand jener Sippschaft, die ihn traditionsbewusst verspeisen wollte.

Seine Verwandten kann man sich nicht aussuchen, man kann nur entscheiden, wie oft man ihnen begegnet - so lautet das Fazit des Films. Nicht gerade aufregend, dafür mit viel, streckenweise zu viel Lust am umständlichen Detail inszeniert. So befanden zumindest manche Kritiker. Sie hatten mehr erwartet von der Regisseurin, die sich in einem anderen filmischen Bereich längst als Profi etabliert hat. Obwohl sie nie eine entsprechene Ausbildung genossen hat, gibt es nur wenige Kolleginnen mit einer vergleichbaren Vita: Mit 13 erhielt sie die erste Oscar-Nominierung mit 30 hatte sie zwei Trophäen bekommen. Eine Autodidaktin, die vor allem eines auszeichnet: ihr Einfühlungsvermögen in die Lebensrealitäten völlig unterschiedlicher Frauen.

Nur eben als Regisseurin vermochte sie noch nicht recht zu überzeugen. Und auch die Hauptdarstellerin konnte den Film nicht sonderlich aufwerten. Zwar hatte sie zwei Jahre zuvor eine weit schwierigere Rolle mit sprachlosem Geschick gemeistert - eine Erfahrung, die sie mit der Regisseurin teilt.

Diesmal aber hinterließ sie kaum mehr als einen netten Eindruck. Wie heißt der Film?

Auflösung aus Nr. 28: Johnny Guitar (Wenn Frauen hassen). Nicholas Ray drehte den ungewöhnlichen Western, einen der bevorzugten Filme Truffauts, 1954 mit Joan Crawford und Sterling Hayden. Der Exkapitän Hayden bereute später, dass er vor dem McCarthy-Ausschuss Kollegen denunziert hatte, verließ Hollywood und segelte jahrelang um die Welt. Rays größter Erfolg war 1955 der Kultfilm Rebel without a Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) mit James Dean