zeit: Eichel soll am Sparkurs festhalten?

Henkel: International hat sich gezeigt: Genau die Länder, die über Jahre die Neuverschuldung abgebaut haben, die jetzt ausgeglichene Haushalte haben oder sogar Überschüsse einfahren, haben am meisten Arbeitsplätze geschaffen. Der Sparkurs führt letzten Endes zu mehr Arbeitsplätzen.

zeit: Bei aller Kritik, hätten Sie bei Amtsantritt von Rot-Grün vermutet, dass die Regierung jetzt eine solche Steuerreform oder auch eine solche Rentenreform vorlegt?

Henkel: Nein, überhaupt nicht. Aber man muss zwei Phasen sehen. Bis zum Rücktritt von Oskar Lafontaine hat die Regierung auf vielen Gebieten nur Unsinn gemacht.

zeit: Verkehrte Welt: Die Union profiliert sich als Anwalt des kleinen Mannes, und die SPD wahrt die Interessen der Wirtschaft.

Henkel: Die Sozialdemokraten können jetzt Reformen verwirklichen, nicht weil sie besser oder mutiger sind, sondern weil sie niemand blockiert. Ich kann verstehen, dass sich manche in der CDU und CSU schwarz ärgern, dass sie die Wahl teilweise wegen der damaligen Blockade durch Lafontaine verloren haben.

Jetzt wird von der CDU/CSU erwartet, dass sie nicht blockiert.