Sommerpause? An der Börse, so scheint es, gibt es die nicht. Rund ein halbes Dutzend neuer Werte buhlt dieser Tage um die Wertschätzung der Anleger. Mit dabei: die Kölner Viva Media AG.

Den Musiksender (Viva, Viva 2), der als zweiter deutscher Fernsehsender an die Börse geht - ProSieben machte im Sommer 1997 den Anfang -, muss man den meisten potenziellen Aktionären kaum groß vorstellen, schon gar nicht den jungen Kapitalmarktfreaks. Und auf genau die hat es Dieter Gorny, Firmengründer und Vorstandschef des kleinen expansiven Medienkonzerns, abgesehen. Sind laut Gorny doch 60 Prozent der Viva-Zuschauer über 18 Jahre alt - und verfügen über ein stattliches Einkommen oder Taschengeld. "Jugend ist Zukunft, Viva ist Zukunft, die Jugend geht an die Börse" lautet denn auch das Motto, mit dem der Newcomer die Jungaktionäre locken will.

Als Kapitalgeber freilich sind auch die Alten willkommen. "Die Aktie", preist Gorny sein Papier, "taugt etwas für die Vision der Jugend und gleichzeitig für das Sicherheitsbewusstsein der Eltern." Zwar wird Viva am Neuen Markt gehandelt, doch Gorny zählt sein Unternehmen lieber zur Old Economy. Anders als viele der neuen Internet-Firmen kann Viva, laut Eigenwerbung "Deutschlands Musik-TV-Sender Nr. 1" und seit 1993 am Markt, nämlich Gewinne ausweisen. Einen Börsenboom dürfte die Viva-Aktie indes kaum auslösen, selbst wenn sie erfolgreich ist. Zu klein ist das Volumen. Bis zu 5,35 Millionen Stück kommen an den Markt, bestenfalls 123 Millionen Mark wird Viva Media dafür bekommen. Und die sollen dem ehrgeizigen Unternehmen jährliche Umsatzzuwächse von rund 20 Prozent bescheren.

Während die beiden großen Anbieter von Privatfernsehen, die KirchGruppe und die Bertelsmann-Tochter CLT/Ufa, ihre Sender am deutschen Markt zu Familien formieren, um bei Rechteeinkauf und -verwertung Kosten zu sparen, pocht Stratege Gorny auf Unabhängigkeit - und auf seine Klientel. Mit neuen Aktivitäten rund um seine Sender will er die Marktführerschaft am jungen Markt ausbauen, die Gorny für sich in Anspruch nimmt.

Tatsächlich ist der 46-jährige Musikmanager dabei, einen Jugendmedienkonzern zu formen. Rechtzeitig vor dem Börsenauftritt hat das Kölner TV-Unternehmen die Eltviller Kommunikationsagentur VisionsComm gekauft, die als Viva-connect die "führende Agentur für Jugendkommunikation in Deutschland" werden soll.

Dabei rechnet sich Gorny vor allem die Zielgruppenkompetenz zu, schließlich gelten die Viva-Zuschauer als besonders trend- und konsumorientiert.

Überwiegend 14 bis 29 Jahre alt scheinen sie auch positiv auf Werbung zu reagieren.