Jetzt wissen wir, wie lange er es machen will: Wenn nichts schief läuft, wird der jugoslawische Präsident noch bis 2010 im Amt bleiben - und zwar legal. Die Verfassungsreform, die Slobodan Milosevic über Nacht beschließen ließ, sieht die Möglichkeit der (direkten) Wiederwahl des Präsidenten vor. Es besteht kein Zweifel, dass der Meister der Manipulation die Wahlen gewinnen wird. Slobo hat sich in der virtuellen Demokratie Jugoslawien ganz real verewigt.

Der Vorstoß des Präsidenten ist nicht nur zur eigenen Verlängerung der eigenen Amtszeit gedacht - er zielt mitten ins Herz der westlichen Balkanpolitik. Der Teilstaat Montenegro nämlich akzeptiert die Verfassungsänderung nicht. Mit gutem Recht. Damit aber ist die kleine Republik - von Milosevic gedrängt - einen Schritt näher an die Abspaltung gerückt. Deren Folge wäre aller Wahrscheinlichkeit nach ein blutiger Bürgerkrieg. Milosevic hat rund 30 000 Soldaten in Montenegro stationieren lassen, denen 20 000 regierungstreue Polizisten gegenüberstehen. Die Lage ist explosiv. Der Westen steckt damit in einem altbekannten Dilemma. Einerseits will er mit Blick auf das Kosovo die Montenegriner überzeugen, im Staatenverbund mit Jugoslawien zu bleiben andrerseits sehen die Adressaten dieser Botschaft immer weniger Grund, genau das zu tun. So bleiben die Mahnungen nach allen Seiten wirkungslos: Die Streitparteien verstehen sie eher als Ermunterung, weiterzustreiten.

Tatsächlich gibt es auf Milosevics Initiative nur eine Antwort: Montenegro braucht klare Sicherheitsgarantien für den Fall eines Putsches durch die Jugoslawische Volksarmee. Aber das ist Wunschdenken. Zu sehr sitzt der Nato der Krieg gegen Jugoslawien in den Knochen, zu düster ist die Lage im "befreiten" Kosovo. Das sind Milosevics wahre Motivationspillen. Ulrich Ladurner