Dies ist eines jener Bücher, in denen es erlaubt ist, dass am Schluss die Frau dem Mann ins Gesicht sagt: "Danke, dass du meinem Leben einen Sinn gegeben hast." Woraufhin der Mann sich nicht lumpen lässt und der Frau ebenfalls etwas sehr Schönes mit auf den Weg gibt: "Vielleicht ist es zu früh oder zu spät, aber ich möchte dir auch etwas sagen, genau wie du es getan hast: Ich liebe dich." Und je nachdem, wie Sie das nun finden, ist das ein Buch für Sie oder nicht.

Damit könnte man, wenn es nicht ein bisschen wenig wäre, es eigentlich gut sein lassen. Gut?

Dabei ist man ja zunächst einmal wirklich froh, dass es noch Bestseller gibt, die nicht einen dieser geheimnislosen Kommissare zum Helden haben, bei denen man nie genau weiß, ob man es tatsächlich mit einem Ermittler oder nicht doch eher mit einem Fremdenführer zu tun hat. Von zwölfjährigen Zauberlehrlingen ganz zu schweigen.

"Am 1. November 1997 entschied Veronika, jetzt sei es - endlich - an der Zeit, sich das Leben zu nehmen." So beginnt es, und man ist versucht, an Kleistsche Anfänge zu denken und natürlich an Büchner, Lenz, 1. Satz.

Andererseits können so etwas heutzutage wirklich viele, und ein Grund für ein besonderes Kompliment ist das so wenig wie die etwas matte Art, mit der der Autor sich selbst in sein Buch hineinmanövriert: Die, die da beschlossen hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen, Veronika, liest, nachdem sie bereits vier Schachteln Schlaftabletten im Bauch hat, ein französisches Männermagazin aus der Bibliothek, in der sie arbeitet. Ja, in der Tat, sie liest, um sich die Zeit bis zum Tod zu vertreiben, wie man das eben so tut, ein französisches Männermagazin und findet darin einen Artikel über ein Computerspiel eines gewissen Paulo Coelho, den sie - wir staunen - einmal persönlich kennen gelernt hat.

Das haben wir natürlich nicht so mir nichts, dir nichts erwartet, und schon gar nicht gleich auf der ersten Seite. Aber es geht hier nicht um uns, sondern um Veronika, und die ist - da staunen wir noch einmal - Slowenin und daher höchst verärgert, als sie in diesem Artikel lesen muss, dass da jemand allen Ernstes fragt, wo denn überhaupt dieses Slowenien liegt, und damit sind wir schon auf Seite zwei. Und dann?

Unddannunddann. Weil wir aber niemandem sein Lesefutter vom Teller nehmen wollen, fassen wir uns kurz und teilen nur mit, dass Veronikas Selbstmord fürs Erste ein Versuch bleibt. Sie kommt in die Psychiatrie. Eine großartige Ausgangsposition, keine Frage, und natürlich sind wir sofort gespannt, wie der Autor nun mit unserer Erwartung umgehen wird, dass die junge Frau gewiss das Leben entdecken wird.