Ich werde mit dem Schwimmen aufhören, vielleicht sogar nach Olympia in Sydney, und werde etwas gänzlich anderes machen. Leider weiß ich nicht genau, was ich machen will. Das ist mein Traum und beinahe ein Trauma. Mein Traum wäre es, zu wissen, wie mein Leben nach dem Schwimmen aussieht. Ich habe nämlich überhaupt keinen blassen Schimmer. Ich weiß nicht, wo es mich mal hin verschlägt. Ich weiß auch nicht, wie ich mit der Situation umzugehen habe, wenn wirklich Schluss ist mit dem Sport. Eines ist sonnenklar: no water.

Deutsche Meisterschaften vor wenigen Wochen: Viele Journalisten haben gezweifelt, ob ich gut sein werde, schrieben, ich sei zwischendurch zu fett gewesen, hätte zu viele Zigaretten geraucht, und meinten, mein Lebensstil sei nicht mehr der einer Gewinnerin: Fette Franzi, armes Kind - solcherart Poesie, meine ich, die mir wehtut. Ich war erfolgreich bei den Deutschen Meisterschaften. Jetzt kommen einige von den unfair-kritischen Damen und Herren wieder angekrochen und küssen mir die Füße. Dieser Umgang mit mir ist ja nicht das erste Mal dasselbe ist mir mit sechzehn passiert, und dasselbe ist mir mit achtzehn passiert. Jetzt komme ich damit besser klar, aber früher hat mich keiner danach gefragt, wie ich mich fühle, da musste ich die Dinge so hinnehmen, ungeschützt. Es ist schon seltsam, welche Dynamik die Berichterstattung über mich hat. Wenn ich in zwanzig Zeitungen lese, dass ich fett bin wie eine Tonne und aufhören soll mit Schwimmen, geht das nicht spurlos an mir vorbei. Ich stand tatsächlich irgendwann vor dem Spiegel und habe gedacht: Na ja, stimmt. Fett bist du nicht, aber es sind vielleicht doch fünf, sechs Kilo zu viel. Und rauchen? Wen geht das was an? Lebensstil?

Sollen doch manche vor ihrer eigenen Tür kehren. Solche Big Brother-Überwachungen und Verurteilungen darf es nie wieder geben. So weit darf es nie wieder kommen in meinem Leben. Deshalb mache ich eine Zäsur - auch wenn alles noch sehr neblig ist.

Ich habe nie eine CD aufgenommen, habe nie in irgendwelchen Filmen mitgespielt, weil ich immer wollte, dass die Leute sagen: Hey, das ist eine tolle Schwimmerin. Mittlerweile hat sich das Blatt ein bisschen gewendet, mittlerweile hätte ich es gerne, wenn ich nicht Angst davor haben muss, ein uninteressanter Mensch zu sein, weil ich nicht mehr erfolgreich bin. Erfolg, Gewinn und Medaillen waren immer eine große Sache. Ich hatte nie den Kopf und die Zeit dafür, andere Dinge zu machen. Wenn man mich nach einem Hobby fragt, dann muss ich das verneinen und sagen: Ich habe kein Hobby. Ich habe nie etwas anderes gemacht, außer Sport und außer Schwimmen - acht lange Jahre.

Ich meine, es war eine schöne Zeit, ich habe auch nie ein Hobby vermisst, aber jetzt bin ich ratlos. Das macht mir Angst. Wenn ich an mein zweites Leben denke, also an meinen Traum, dann bin ich unheimlich nervös, aufgeregt und stehe unter Spannung wie ein Kraftwerk. Ich reite für mein Leben gerne.

Ich habe auch ein eigenes Pferd, und ich bin auf dieses Pferd seit zwei oder drei Jahren nicht mehr gestiegen. Nach meinem Motorradunfall vor ein paar Monaten habe ich riskante Dinge einfach gelassen. Ich würde in Berlin gerne mal an der Blade-Night teilnehmen und mit den Rollerskates nachts durch die Innenstadt skaten. Das geht nicht, weil das Risiko zu groß wäre, hinzufallen und sich was zu brechen. In meinem zweiten Leben könnte ich all die Dinge machen. Wenn ich hinfliege und ich breche mir die Hand, na ja gut, dann breche ich mir die Hand und muss einen Gips tragen. Und wenn ich krank werde und kriege die Sommergrippe, hab ich endlich Zeit, mich hinzulegen, um die blöde Grippe auszukurieren.

Ich glaube, dass ich so viel investiert habe in den Sport, so viel an Gefühlen, so viel Liebe, dass ich mich komplett von meinem Sport trennen würde. Was nicht heißt, dass ich die Leute, mit denen ich jetzt schwimme, nie wiedersehen möchte. Ich werde also nicht zu jedem Wettkampf fahren. Aber mich interessiert schon, was in dem Sport weitergeht, aber ich möchte nie wieder ins Wasser springen. Ich träume davon, wirklich einen Schnitt zu machen. Zu sagen: Das war mein Leben, das war meine erste Karriere, das war ein wichtiger Lebensabschnitt, und jetzt geht etwas Neues los. Ich glaube, dass viele Sportler es nicht richtig schaffen. Es wird dann der Rücktritt erklärt, und dann kriegt man ein Kind zwischendurch, und dann fangen sie wieder an.