Das Wunderkind hört auf den Namen Joe, ist zwei Meter lang und wiegt gut zwei Zentner. Joe wirkt auf den ersten Blick wie ein Riesenitaliener, ist aber ein typischer Amerikaner, umgänglich und unkompliziert, mit Affinität für kurze Hosen und Hemden. Sein Papa war Schneider, die Mama Buchhalterin, beide arbeiteten hart, in mehreren Jobs. Als Junge musste Joe jeden Freitag sauberes Trinkwasser holen, das Leitungswasser daheim war kontaminiert durch eine benachbarte Metallreinigungsfirma. Das sensibilisierte Joe zwar für Chemikalien, aber nicht für die Chemie.

Erst ein High-School-Pauker weckte seine Passion für das Fach. Die mündete in einer Vision: Joe will der Welt den Pelz waschen, völlig trocken. Mit innovativer Chemie. Sanft püstert er mit CO2 allen Schmutzfinken den Dreck aus dem Gefieder, bis sie wieder aussehen, wie frisch aus dem Ei gepellt.

Beim Chemieriesen Dupont in den USA steht eine gewaltige Produktionsanlage im Wert von mehr als einer Milliarde Mark kurz vor der Vollendung. Sie soll künftig Teflon produzieren, bekannt als Pfannenbeschichtung. Einst übliche Lösungsmittel wie fluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW, eng verwandt mit FCKW, berüchtigt als "Ozonkiller") werden ersetzt durch CO2. Darin lässt sich das Teflon billiger und besser gewinnen, der Prozess der Polymerisation verläuft kontinuierlich und ist einfacher zu steuern. Auf Umweltdeutsch hieße die Kurzformel: "Klimakiller killt Ozonkiller".

Doch CO2 eignet sich nicht nur als Löse-, sondern auch als Putzmittel. Joe hat eine Start-up-Firma namens Micell gegründet, die zum McDonald's der Trockenreinigung aufsteigen will. Nach straffem Marketingkonzept schrubbt sie mit CO2 den Dreck aus der Welt. Miclean heißt ein Firmenzweig, der sich dem Entfetten und Entölen von Metallen widmet, die etwa beim Schneiden, Drehen oder Fräsen anfallen. Micare heißt ein anderer Firmenspross. Er reinigt rund um die Uhr Textilien in tonnenschweren Waschmaschinen, Marke MiCO2.

Und das geht so: In einer Filiale des Franchiseunternehmens Hangers (Kleiderbügel), einer Tochter von Micell, liefert der Kunde seine Kleider in einem persönlichen Kleidersack ab und erhält sie später im gleichen Sack sauber zurück. In der Zwischenzeit verbrachten die Textilien zwei bis drei propere Viertelstündchen in der MiCO2-Maschine. Diese gleicht einer riesigen Waschmaschine, ihre Trommel wird durch eine runde Frontklappe beladen. Die Maschine ist druckdicht und wird aus einer großen Gasbombe mit Kohlendioxid gefüllt. "Es ist genau das gleiche Gas, mit dem Limonaden wie Coca-Cola zubereitet werden", erklärt Joe.

Das sprudelfrische CO2 wird stark komprimiert und verflüssigt sich. Und nun kommt ein entscheidender Trick: Durch Aufheizen auf milde 31 Grad erreicht das Gas seine "kritische Temperatur". Bei solch kühler Körperwärme und einem Druck von 73 Bar siedet das verflüssigte Gas bereits dermaßen heftig, dass zwischen gasförmigem und flüssigem Zustand kein Unterschied mehr besteht. Das Kohlendioxid wechselt in einen neuen Aggregatzustand, es wird "überkritisch" oder "superkritisch" (englisch supercritical, abgekürzt sc).

Genau in diesem superkritischen Zustand ist das sc-CO2 ein superbes Reinigungsmittel. Joe bläst zusätzlich noch patentierte Detergentien (biologisch abbaubare Seifen) ins textile Gewebe. In diesem superkritischen Gebräu wird die Wäsche ein Weilchen von der Trommel hin und her gewendet, dann folgt die Entspannung. Mit sinkendem Druck wird das CO2 wieder zum Gas, es pfeift aus Wäsche und Trommel und wirbelt Dreck samt Detergentien mit sich fort. Diese bleiben in Mikrofiltern und Aktivkohlefiltern hängen, das gereinigte Kohlendioxid wird aufgefangen, verdichtet und für den nächsten Waschgang eingesetzt. "Unsere Recyclingquote für CO2 beträgt 98 Prozent", sagt Joe.