Wilkomirskis Buch Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948, 1995 bei Suhrkamp erschienen, wurde zunächst enthusiastisch begrüßt und mit Preisen ausgezeichnet, um sodann, nach hochnotpeinlichen Enthüllungen über die wahren Hintergründe der Publikation, wieder aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Der "Fall Wilkomirski", von dem Zürcher Historiker Stefan Mächler akribisch recherchiert und rekonstruiert, sei hier kurz erzählt. Unter dem Namen Binjamin Wilkomirski, hinter dem sich der Schweizer Bürger Bruno Dössekker alias Bruno Grosjean verbirgt, schrieb der Autor eine anrührende Geschichte darüber auf, wie er, osteuropäisch-jüdischer Herkunft, als kleines Kind die Internierung in den Vernichtungslagern Majdanek und Auschwitz überlebte und schließlich in die Schweiz kam, wo er von dem Ehepaar Dössekker adoptiert wurde. Für seine Geschichte beanspruchte er, und beansprucht er immer noch, biografische Authentizität. Drei Jahre nach Erscheinen der Bruchstücke enthüllte der Schweizer Journalist Daniel Ganzfried, dass es sich bei Wilkomirskis Bericht um eine erfundene Geschichte, das heißt, um eine Fälschung handle. Die sachliche Fundiertheit dieser Enthüllung, daran lässt Mächler nicht rütteln, steht außer Zweifel.