Was brauchen wir wirklich im Urlaub? Gottlob hat die Menschheit Nescafé, Satellitenschüsseln und Campingführer. Nur eins hatte man nicht im Griff: das politische Urlaubsumfeld. Wer kann sich erholen, wenn sich in der benachbarten Sandburg der politische Gegner verschanzt? Gibt es so etwas wie eine Topografie der politisch opportunen Urlaubsziele? Aufschluss über rote, schwarze, gelbe, grüne und sogar braune Urlaubsziele verspricht eine Betrachtung der Reisepläne unserer Politiker.

Familienministerin Christine Bergmann stapft durch die Dolomiten. Scharping radelt in Frankreich. Schily hängt in Italien ab: Die Roten reisen ins europäische Ausland. Nur Riester muss nachsitzen und über die Renten nachdenken: Bodensee! Meck-Vorpomms Regierungschef Harald Ringstorff dagegen fährt mit Angel und Fernglas nach Estland. Ganz süß auch der niedersächsische SPD-Fraktionsvorsitzende Axel Plaue, von dem wir hören, dass er zum allerersten Mal nach Italien fährt (Autoradio ausbauen!).

Die Brandenburger Sozis fahren viel nach Schweden, Steffen Reiche (Bildung) zum Lesen und zum Schwimmen (?) in die Alpen. Landesvater Stolpe zählt nicht: Er macht überhaupt keinen Urlaub (Habe schon zu Pfingsten ausgespannt).

Und der Kanzler? Auf den ersten Blick entspannt er im Inland, nämlich im Bundesland Malle. In Wirklichkeit jedoch ist Mallorca deutlich auf dem Weg der Hispanisierung (Man spricht spanisch!). Selbst das typisch deutsche Trinken aus Eimern ist mittlerweile verpönt. Insofern ist die Tatsache, dass der Kanzler auf Malle Urlaub macht, eher ein Symptom für die galoppierende Verwandlung der Insel in europäisches Ausland.

Schwarz bleibt dagegen tatsächlich im Land. Angela Merkel zum Beispiel. Zu Hause bleiben in Sachsen-Anhalt der CDU-Landeschef Wolfgang Böhmer. Wie in Baden-Württemberg Friedhelm Repnik, Sozialminister. Urlaub auf Balkonien.

Repniks Chef, Erwin Teufel, will höchstens mal für ein paar Tage an den Bodensee. Wissenschaftsminister Klaus von Trotha will - immerhin - in den Schwarzwald. Der Brandenburger Verkehrsminister badet im hauseigenen Pool und kümmert sich endlich einmal wieder um seinen Hund. Eckardt Rehberg, Chef der CDU-Fraktion im Schweriner Landtag, wirft nur einmal die Kutte über und orgelt mit seiner 800er Suzuki zu einem Mopedtreff nach Dänemark.

Nur Niedersachsen bleiben daheim- Expo!