Von Müttern

Warm, mit Milch gefüllt. Weich, doch stark. Beschützend, alles verstehend.

Vor allem unsere Schwächen! Immer da, nie etwas für sich fordernd, schön, ach, es gibt kein Ende, wenn es um unsere Wünsche an die Mutter geht, da sind wir Kinder maßlos: Mama! So schreien Männer noch im Krieg und nicht selten Frauen, wenn sie selber gebären.

Die Mutter ist unsere erste Behausung. Zuletzt kehren wir wieder in eine Höhle zurück, aber immer weniger Menschen vermögen zu glauben, dass sie sich wie die erste öffnen wird und wir, aus ihr, noch einmal geboren werden. Die Mutter ist unsere einzige Chance, so besehen. Welche Bedrohung!

Sie setzt Kinder aus. Verliert das Interesse, lässt sie verhungern. Erstickt das Bündel nach der Geburt, vergräbt es im Sand. Eine Mutter kann zuschauen, wie ein Mann ein Kleines quält und tötet, jeden Tag steht es doch in den Zeitungen. Und zeugt dann mit ihm neue Kinder. Welch ein Schrecken!

Wir sagen dann gerne, so etwas sei ganz unnatürlich, beschwörend. Mutter Natur, sei uns gnädig! Soso. Natur also, was eine Mutter des Nachts durch kalte Wohnungsflure treibt, dem unglücklichen Gefiepe aus dem Kinderzimmer entgegen? Und des Morgens, wenn es im Kindergarten an ihr zerrt, das Bleibbleibbleibbleib! nur so gellt und sie sich wegreißt, in Richtung Arbeit, Geld verdienen, auch Natur, oder das gerade nicht? Gehört Wäscheaufhängen dazu? Die Herstellung einer Flotte von Walnussschalenschiffchen an langen Abenden für den Schul-Weihnachtsbasar? Was ist mit dem giftigen Herumgeschreie, wenn neben dem aufsässigen Nachwuchs plötzlich eine Frage kalt im Raume steht: Wozu das alles eigentlich? Und ob sich das ganze Theater lohnt.

Dürfen Mütter sich überhaupt solche Fragen stellen?

"Mein gesamtes Erwachsenenleben habe ich einer Frage gewidmet", schreibt die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy. "Ich wollte nicht nur herausfinden, wer ich eigentlich bin, sondern auch, wie es zu Geschöpfen wie mir gekommen ist."

Von Müttern

So beginnt sie ihr Buch Mutter Natur, das in dieser Woche auf Deutsch erscheint, ein fulminantes Werk von über 750 Seiten, dicht gepackt mit biologischen Studien, soziologischen Erhebungen, historischen Exkursen, evolutionären Erwägungen und jeder Menge an eigenen Erfahrungen. In Amerika hat es im letzten Jahr großes Aufsehen erregt. Es ist ein wissenschaftlicher, ein sehr persönlicher Rechenschaftsbericht.

Hrdy füllt eine schmerzliche Lücke in der Theorie von Charles Darwin Hrdy ist Texanerin, Jahrgang 1946, und hatte sich auf das Studium von Primaten in Indien verlegt, bevor es über sie kam, in gewissen monatszyklischen Begehrensschüben, kleine Exemplare der eigenen Art in die Welt zu setzen. Zwei. Nein, drei. Nur wann? Sie stellte sich die Frage, wie sich das auf ihre geliebte Feldarbeit auswirken würde. Es gab zu bedenken, ob Feldarbeit in Indien das richtige Umfeld für texanischen Nachwuchs sein würde, ob sie als Mutter einen neuen Gegenstand zur Forschung wählen sollte, Elternschaft der Gattung Homo sapiens vielleicht, am Beispiel der amerikanischen Population. Könnte es, bei Gelingen, einen Zeitpunkt geben, der günstig wäre, das Experiment mit dem Nachwuchs zu wiederholen? Mit 38 Jahren? Oder 40? Sie musste sich fragen, ob eine solche Entscheidung ihre wissenschaftliche Laufbahn beenden und ihre Existenz gefährden würde, und natürlich, was für kleine Texaner die richtige Nahrung wäre.

Hrdy ist ein Glücksfall, für ihre Disziplin und für uns Mütter. Eine hochgebildete Frau, wie sie erst als Produkt einer kompromisslosen Förderung von Frauenbildung zu dieser Jahrtausendwende denkbar ist. Fragen, die ihre Geschlechtsgenossinnen sich angewöhnt haben jammernd vor sich her zu schieben, kann sie als Chance begreifen. Sie bemerkte, dass die Widersprüchlichkeit ihrer Situation, die von ihr Entscheidungen verlangte und zugleich Entscheidungen der vielfältigsten Art möglich machte, jedenfalls der Behauptung eines mütterlichen Instinkts widersprach, der angeblich reflexhaft in die einzige wahre Richtung führt. Und, ganz professionelle Anthropologin, fragte sie sich, ob es vielleicht gerade das Wesen von Frauen sei, Entscheidungen dieser Art über die Aufzucht von Nachwuchs zu treffen: wann, mit wem, ob überhaupt. Wenn dies so wäre, welche Konsequenzen hätte es für die Interpretation der mütterlichen Rolle in der Entwicklung der Gattung Mensch? Eine evolutionäre Schlüsselfunktion müsste ihr zugestanden werden!

Mit ausholender Geste versammelt Hrdy Beobachtungen über das Verhalten von Primatenweibchen, Feldmäusen oder französischen Müttern des 18. Jahrhunderts, setzt Erkenntnisse über die Mutterschaft im Paläolithikum in Bezug zur Teenagermutter in der modernen Wohlstandsgesellschaft, die ihr Neugeborenes im Müll entsorgt, und lässt unsere heutigen Probleme von Familienunlust, aufgeschobenen Geburten und schwindender Bevölkerung in erstaunlich neuem Licht erscheinen.

Die Wissenschaftlerin hatte sich auf ein Terrain begeben, das gut 100 Jahre hinter dem verborgen gewesen war, was ihre Kollegin Nancy M. Tanner von der University of California, Santa Cruz, "einen unglücklichen blinden Fleck" in der Sicht des berühmten Kollegen Charles Darwin genannt hat. Darwin war, ganz Sohn seiner Zeit, in seinen Werken über die Entstehung der Arten und die Abstammung des Menschen durch natürliche Zuchtwahl (1859/1871) allein von der drängenden Kraft des Mannes ausgegangen, seine Gene weiterzugeben. Eine Einschätzung, die spätere Kollegen gerne teilten. Mit großen Gefahren für die Wissenschaft, die ein beträchtliches Risiko hat, in die Irre zu laufen, wenn sie die Hälfte des Datenmaterials unberücksichtigt lässt. In der Theorie klaffte eine schmerzliche Lücke. Für den Sprung vom Affen zum Menschen hatte sich keine Erklärung gefunden.

Nun trafen auf dem Feld frische Kräfte ein, mit neuer Perspektive - weibliche Kräfte. Anders als Darwin waren sie nicht geneigt, die Rolle der Frau in der Geschichte der Menschheit als "schüchtern" einzustufen. Ihre eigenen Erfahrungen sprachen dagegen. Immerhin wurden mittlerweile an amerikanischen Universitäten fast 40 Prozent der Doktortitel in Biologie von Frauen errungen, vielleicht auch dies weniger eine Revolution als eine Frage der Evolution?

Evolution bedeutet, dass Gene weitergegeben werden und sich in den nächsten Generationen durchsetzen, wenn sie ein Verhalten erlauben, dass der Umwelt angepasster ist als anderes. Männliche Wesen versuchen es nicht selten mit dem großen Wurf. Sie streuen ihre Spermien, die Folklore weiß von Herrschern zu berichten, die Hunderte von Sprösslingen gezeugt haben wollen, und auch wenn die Hälfte davon zugrunde geht, macht doch nichts, für den Rest gibt es vielleicht Chancen. Weibliche Wesen sind gut beraten, sparsamer vorzugehen.

Von Müttern

Nicht jeder Frau ist es vergönnt, wie die Bienenkönigin Tausende und Abertausende von Eiern zu legen und von anderen versorgen zu lassen. So kommt es darauf an, punktgenau so viele Nachfahren zu produzieren, wie unter den Umständen - der eigenen Lebensspanne und den maximal zur Verfügung stehenden Mitteln - aufgepäppelt werden können, beschützt, trainiert fürs Überleben, sodass die eigene genetische Botschaft sicher in die Zukunft gelangt.

Das Hegen und Pflegen ist so in den Blick gekommen. Die Brutaufzucht als Missing Link zwischen Affe und Homo sapiens!

Schon in den achtziger Jahren hatte Nancy M. Tanner die These gewagt, dass Frauen, ihre Eigenschaften als Sammlerin und Fütterin, kurz, ihre mütterlichen Qualitäten, die Robustheit ihres Nachwuchses so gefördert haben könnten, dass besonders gelungene Exemplare den entscheidenden Sprung in Richtung Menschwerdung schafften. Hrdys Ansatz ist radikaler. "Was die natürliche Selektion angeht, umfasst Muttersein alles und jedes, was eine Mutter tut, um sicherzustellen, dass ihre eigenen Gene auch in zukünftigen Generationen vertreten sind", schreibt sie (Hervorh. d. Red.).

Menschliche Weibchen treffen harte Entscheidungen - auch gegen Kinder Eine Mutter kann sich, sagt Hrdy, für die Aufzucht von Nachwuchs entscheiden, aber durchaus auch dagegen, wenn die Lage nicht gut aussieht. Mäuse resorbieren Föten, wenn sie in Not geraten. Paviane erleiden spontane Fehlgeburten, wenn ihr Rudel von einem neuen Männchen übernommen wird, das sich Jungen anderer Erzeuger gegenüber feindlich zeigen könnte. Bärenföten nisten sich gar nicht erst ein, wenn es den Muttertieren misslingt, satte Fettreserven anzulegen. Bei den Nepalesischen Langur-Affen lassen es die Weibchen zu, dass bis zu 50 Prozent des Nachwuchses von neuen Männchen getötet werden - Kerle, mit denen sie kopulieren und neuen Nachwuchs zeugen, dem der Kerl zugeneigt ist, weil er in ihm seine Gene erkennt.

Grausam? Unmenschlich? Nicht ganz. Auch menschliche Weibchen treffen harte Entscheidungen. Zum Beispiel, wenn sie eine Situation der Aufzucht von Nachwuchs nicht förderlich finden. Wenn ihnen die Ressourcen an Nahrung, an Hilfe oder auch nur an eigener Kraft nicht ausreichend erscheinen, wenn ihre Familie lieber Mädchen oder Jungen möchte. Dann kann das dazu führen, dass Kinder von ihren Müttern nicht angenommen werden. Dass sie, in China war es früher üblich, nach der Geburt in einem Sandeimer verschwinden oder am Straßenrand wimmern, bis sie verstummen. Dass sie, so im Florenz des 18.

Jahrhunderts, vor die Tür des Ospedale degli Innocenti gelegt werden, 15 000 innocenti zwischen 1755 und 1773, von denen 10 000, ganz unschuldig, starben.

Im Moskauer Findelhaus überlebten im Jahr 1967 von 1089 abgegebenen Kindern nur 11, eine Todesrate von tatsächlich 99 Prozent! In Mailand oder St.

Von Müttern

Petersburg, in Frankreich, England, Schweden - Abertausende von Neugeborenen verschwanden in Heimen, in zweifelhaften Ammenhaushalten, wie Hrdy zusammengetragen hat, und das, obwohl jedem klar sein musste, das dies einTodesurteil war. Am Tor des Findelheims in Brescia fand sich eines Tages ein Zettel , darauf stand: "Hier werden Kinder getötet, auf Kosten der Stadt". Es war, schreibt Hrdy, um Fassung ringend, "eine weitreichende demographische Katastrophe von nie dagewesenem Ausmaß".

Moderne potenzielle Muttertiere, die über Verhütungsschutz verfügen, haben das Privileg, sich vor der Empfängnis gegen Kinder zu entscheiden, üblicherweise weil das Abitur bevorsteht, das Diplom noch nicht bestanden ist, die ersten Berufsjahre zu fordernd sind, man in den späteren unabkömmlich ist. Aber auch heute kommt es vor, dass eine Mutter sich gegen schon vorhandene Kinder wendet, ein Umstand, der gelegentlich eintritt, wenn eine Mutter, verlassen vom Erzeuger, sich so hilflos fühlt, dass sie ihre Kleinen tötet, was dann die Welt erschüttert. Die Geburtenrate jedenfalls sinkt, die Hälfte der Frauen, die heute in Sacramento, Kalifornien, leben, schreibt Hrdy, ist kinderlos, wie übrigens auch nahezu die Hälfte der !Kung-Frauen in der Kalahari-Wüste, die keine Kinder hinterlassen, weil die von Krankheiten dahingerafft werden oder sie selber sterben, bevor sie überhaupt gebären können.

"Jäger-Sammler-Völker, Primaten, Säugetiere - wie die gewundenen Fäden der DNA, die uns gemeinsam sind, drehen sich die einzelnen Erbteile des Menschen spiralförmig rückwärts durch die Zeit und verbinden uns mit längst vergangenen Lebensformen", heißt es. Unsere Entscheidungen verdanken sich einem Verhaltensrepertoire, das eher an vergangene denn an gegenwärtige Situationen angepasst sein könnte, mit weitreichenden Folgen. Für die Partnerwahl womöglich! Die Erscheinungsform des Mannes und die weiblichen Reaktionen darauf, warnen Tanner und Hrdy, könnten sich dem Geschmack der brünstigen Primatenweibchen verdanken. The biggest ape - wie sich das wohl für das geschlechtsreife Menschweibchen des Jahres 2000 buchstabiert? Status?

Konto? "Heiraten um des Reichtums willen ist ein Phänomen patriarchaler Gesellschaften und ihrer Nachfolger, in denen mächtige Männer (oder männliche Abstammungslinien) den Zugang zu den Ressourcen monopolisieren, die Frauen zur Aufzucht ihrer Kinder benötigen", schreibt Hrdy.

Und, was die Erscheinungsform der Frau betrifft - sanft, anschmiegsam, sich begierig unterordnend, trotz bester Ausbildung häufig wenig geneigt, sich im Beruf durchzubeißen -, könnte sich die, da von unzählbaren Männergenerationen bevorzugt, in den genetischen Code festgeschrieben haben? Beunruhigende Frage.

Am aufregendsten ist das Buch vielleicht dort zu lesen, wo es unseren Reaktionen bis in die chemischen Blubber der Vorgeschichte nachspürt. Die Endorphine, schreibt Hrdy, die Wehen erträglich machen, teilen wir mit den Regenwürmern. Die Glücksgefühle, die uns durchströmen, wenn sich der kleine Gaumen in den Busen gräbt - das Ergebnis eines ausgeklügelten Hormoncocktails, der in Jahrtausenden zusammengeschüttelt wurde! Prolaktin, das schon die Metamorphose bei Amphibien orchestrierte, spielt eine Rolle in unserer Hinwendung zum Säugling, der uns mithilfe von Speckringen, Kulleraugen, süßestem Gegurgel und zärtlichem Kneten der mütterlichen Brust verführt: Mehr Milch! Lohnt sich!

Muttersein, führt die Autorin aus, ist auch ein chemischer Zustand, Kaskaden von Reaktionen - so wenigstens ergaben Laborversuche - verändern den Körper neuronal. Binnen Stunden können Mütter in der Lage sein, in einer Kakophonie von Babygeschrei das eigene Kind herauszuhören, auch wenn sich ganze Müttergenerationen haben auslachen lassen müssen, weil sie mit rasendem Puls im Säuglingszimmer erschienen. Ein gutes Beispiel dafür, wie kulturelle Stereotype - wie Verächtlichkeit der Frau gegenüber - in irrwitziger Weise dazu führen können, gerade das zu unterdrücken, was sie andererseits kategorial behaupten - dass Muttersein vor allem Natur sei.

Von Müttern

Natürlicherweise jedenfalls muss davon ausgegangen werden, dass Muttertiere immer doppelbelastet waren, die Kinder versorgten und die Existenz sicherten.

Nahrung bereiteten, fütterten. Das Haus richteten, das Kind wiegten. Das Bild der Mutter vom Stamme der südamerikanischen Aché, die vor ihrem Webstuhl hockt und aus Palmenblättern einen Teppich webt, Baby am Busen, ist so natürlich wie das der deutschen Frau vom Stamme der Journalistinnen, die über ihrem Laptop am Frühstückstisch brütet, während der Nachwuchs neben ihr eine Schüssel Zimties manscht. Ein äußerst beruhigender Gedanke!

Für Primaten sind Mütter das entscheidende Umfeld. Überleben in der Steppe oder im Urwald beruhte auf ununterbrochener Nähe zu einem starken Tier. Diese Beobachtung hat den Psychologen John Bowlby in den fünfziger Jahren zur Entwicklung der so genannten Bonding-Theorie verführt, die behauptet, Kinder könnten nur gedeihen in der Nähe zum Muttertier, eine Ansicht mit gelegentlichen fürchterlichen Konsequenzen für andere existenzsichernde mütterliche Verhaltensweisen.

Frauen allein die Aufzucht des Nachwuchses anzulasten sei keineswegs ein in der Natur übliches Verfahren, behauptet Hrdy, und dies ist vielleicht der politischste Aspekt ihres Werkes. Das Seepferdchen stellt der Stute sein Beutelchen zum Austragen der Brut zur Verfügung. Sensationelle Fortpflanzungserfolge in der Welt der Insekten verdanken sich in der Regel dem Einsatz von Allomüttern, ein Terminus, den Hrdy von ihrem Kollegen Edward O. Wilson entlehnt und der die Ausübung des Bemutterns durch einen anderen, griech. allo, bedeutet.

Die Langur-Affen lassen ihre Kleinen von Hand zu Hand gehen. Elefanten, Präriehunde, Löwen, Fledermäuse leihen ihre Brust gerne der Brut anderer Mütter. Gemeinsame Sorge, legt Hrdy nahe, mag auch für Menschen ein enormer Selektionsvorteil gewesen sein, weil Weibchen, nach dem Ende der reproduktiven Phase, noch viele Jahre weiterleben, wie wir es sonst nur bei Elefanten oder Pilotwalen sehen. Nicht selten investieren sie zusätzliche Arbeitskraft in die Aufzucht der Kinder anderer. In Amerika werden heute vier Millionen Kinder von Omis versorgt! Man betrachte die Ameisenfamilie: "Nicht die Fruchtbarkeit der Insektenkönigin ist so bemerkenswert - es ist die überaus erfolgreiche Art und Weise, wie sie es schafft, aus Eiern überlebende Erwachsene werden zu lassen ... Es ist eine mutterzentrierte Welt, die nur ein Ziel kennt: das Überleben der Nachkommen."

Nun, man darf gespannt sein, welche Anregungen die Menschen aus diesem Buch ziehen möchten. Es enthält ein Lob der Monogamie (verlässliche Partnerschaft) und der Aufzucht im Stammesverband, Überlegungen zur Rolle des Orgasmus in der Evolution und eine schier unglaubliche Menge von Forschungsergebnissen aus weit gestreuten Disziplinen, die Hrdy in den Dienst ihrer These stellt.

Nicht auszuschließen, dass sich Studien auftreiben ließen, die ihrer Argumentation widersprächen. Ähnlich wie der geniale Kollege Darwin ist auch sie ein Kind ihrer Zeit, vom eigenen Interesse geleitet, dem einer berufstätigen Mutter. Aber das könnte auch ein Selektionsvorteil sein.

Von Müttern

Sarah Blaffer Hrdy: Mutter Natur Die weibliche Seite der Evolution aus dem Amerikanischen von Andreas Paul, Ellen Vogel, Karin Hasselblatt, Matthias Reiss, Monika Schmalz Berlin Verlag, Berlin 2000 754 S., 68,- DM