Wüst ist das Gedränge auf den Regalen: Die Händler wissen nicht mehr, wohin mit all den Magazinen, die übers Leben im Country-Style berichten, über den Trend zum Flokati-Teppich oder die Idylle mit Dachgarten. Nur von Architektur ist in den Wohlfühl- und Traumblättern kaum die Rede, die überlässt man lieber den sachlich-kühlen Magazinen für den Fachmann. Eine absurde Arbeitsteilung, die außen und innen, Hülle und Inhalt penibel scheidet. Dass jemand den Übergriff wagt und sich um strikte Denkgrenzen nicht schert, ist die Ausnahme. Eine Ausnahme, die im Daidalos die Regel war. Die Zeitschrift für "Architektur, Kunst und Kultur" schreckte weder vor Steil- noch vor Tiefflügen zurück, wie auch die jüngste Ausgabe zum Thema Alltag belegte. Das Beiläufige interessierte ebenso wie das Elitäre, und so entstand eine unberechenbare Mischung aus soziologischem Exkurs, politischem Essay und bunten Bildstrecken. Daidalos entwöhnte den Leser vom Gewohnten und war gerade deshalb unverzichtbare Lektüre für alle, die alles wollen: Flokati und Philosophie, Architektur und Wohnen, Traum und Wirklichkeit. Doch alles ist nicht mehr, Daidalos ist tot. Ein jähes Aus ohne Vorwarnung - erst vor zwei Jahren hatte der Chefredakteur Gerrit Confurius einen neuen Verlag gefunden, die Gordon and Breach Publishing Group. Nun wurden von heute auf morgen die Büros geräumt, ohne auch nur die Abonnenten und Buchhändler vom Ableben zu informieren. In Holland wird eine ähnlich ambitionierte Zeitschrift namens Archis durch den Staat mitgetragen - in Deutschland bleibt das gedruckte Denken in der Architektur unsubventioniert. Es herrschen Willkür und Wohlfühlmagazine.